IWF-Frühjahrstagung
Euro-Zone droht Machtverlust

Europa muss sich im Gegenzug für eine Erhöhung des weltweiten Schutzwalles gegen die Euro-Krise auf einen Machtverlust beim IWF einstellen. Brasilien und Kanada wollen die Dominanz der Europäer brechen.
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WashingtonZwar zeichnete sich am Freitag bei der IWF-Frühjahrstagung in Washington ab, dass der Fonds wie erhofft deutlich mehr frisches Geld erhält, um notfalls Länder wie Spanien oder Italien vor der Pleite zu bewahren. Große Schwellenländer wie Brasilien wollen jedoch für ihren finanziellen Beitrag mehr Mitsprache erreichen. Auch Kanada machte sich dafür stark, die traditionelle Dominanz der Europäer beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu brechen. Weil Spanien an den Finanzmärkten erneut unter Druck geriet, war der Verhandlungsspielraum für Europa gering und die Zeit drängte.

Russland sprach von Fortschritten bei den Verhandlungen im Kreis der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) und sah endgültige Zusagen in Reichweite. „Vertrauen Sie mir, die G20 werden eine Summe verkünden, die auch das IWF-Management zufriedenstellt“, sagte Vize-Finanzminister Sergej Stortschak. IWF-Chefin Christine Lagarde hat um eine Finanzspritze von mindestens 400 Milliarden Dollar gebeten, um in der Euro-Krise gewappnet zu sein.

Die Unterstützung von Russland, China und Brasilien ist entscheidend, um die angestrebte Verdoppelung der IWF-Reserven für Europa zu erreichen. Europa und Japan haben zusammen 320 Milliarden Dollar zugesagt. Einem Diplomaten zufolge werden die Schwellenländer insgesamt mindestens 100 Milliarden Dollar bereitstellen. Brasilien pochte jedoch bis zuletzt auf die bereits zugesagte Stärkung der Schwellenländer beim IWF durch die Anpassung der Mitsprache-Quoten.

„Einige Länder sind nicht sonderlich begeistert von den IWF-Reformen“, beklagte Finanzminister Guido Mantega mit Blick auf die Europäer. „Sie tun sich weitaus leichter, um Geld zu bitten als bei der Quotenreform voranzugehen.“ Angesichts dieser Haltung drohte bis zuletzt, dass die Erhöhung der Finanzkraft mit der IWF-Reform verknüpft werden muss - genau davor hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eindringlich gewarnt.

Kommentare zu " IWF-Frühjahrstagung: Euro-Zone droht Machtverlust"

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  • @ "Europa muss sich im Gegenzug für eine Erhöhung des weltweiten Schutzwalles gegen die Euro-Krise auf einen Machtverlust beim IWF einstellen."

    Na, sowas, da staunt der deutsche Wirtschaftsjournalismus aber. Habt Ihr geglaubt, dass Indien, Brasilien, usw. den unfähigen EU-Politikern aus purer Menschenliebe die Milliarden zuschaufeln?

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