IWF gegen Spekulanten
Zankapfel Öl

Die Finanzminister der G8-Staaten bangen wegen des hohen Ölpreises um ihr Wirtschaftswachstum. Nach einer gemeinsamen Sitzung erklärten sie am Samstag, sich nicht mit Appellen zu begnügen, sondern den Einfluss von Spekulanten auf den Ölpreis von unabhängiger Seite prüfen zu lassen. Die Reaktionen der Opec sind gemischt.

HB NEW YORK/RIAD/OSAKA. Die G-8-Finanzminister haben die Ölförderstaaten eindringlich aufgefordert, ihre Produktion zu steigern. „Die hohen Rohstoffpreise, besonders bei Öl und Nahrungsmitteln, stellen weltweit eine ernste Herausforderung für ein stabiles Wirtschaftswachstum dar“, erklärten die Minister aus den sieben führenden Industriestaaten und Russland zum Abschluss zweitägiger Beratungen am Samstag in der japanischen Stadt Osaka. In der Abschlusserklärung warnen die Finanzminister insbesondere vor einem zunehmenden Inflationsrisiko aufgrund der hohen Ölpreise. In den USA ist die monatliche Teuerung im Mai mit 0,6 Prozent so hoch ausgefallen wie seit sechs Monaten nicht mehr; die Jahresinflationsrate liegt bei 4,0 Prozent.

Der Anstieg der Ölpreise auf immer neue Rekordhöhen sei ein Problem von Angebot und Nachfrage und nicht durch Spekulationen verursacht, sagte US-Finanzminister Henry Paulson. Sein britischer Kollege Alistair Darling erklärte jedoch, in dieser Beurteilung gebe es unterschiedliche Auffassungen. Daher seien der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Energieagentur (IEA) gebeten worden, die finanziellen Faktoren zu prüfen, die bei dem Ölpreisanstieg eine Rolle spielten. Der Ölpreis hat sich zuletzt der Marke von 140 Dollar je Barrel (159 Liter) genähert, bröckelte vor dem Wochenende aber wieder etwas ab. In New York wurde am Freitagabend ein Preis von 134,86 Dollar notiert.

Die Opec erwartet im zweiten Halbjahr wegen der hohen Ölpreise eine geringere Nachfrage für Rohöl vor allem in den westlichen Industriestaaten, die nicht vom höheren Verbrauch der Entwicklungsländer ausgeglichen wird. Die Einschätzung steht im Monatsbericht der Organisation Erdöl exportierender Länder, der am Freitag veröffentlicht wurde. Sie deckt sich weitgehend mit denen der Internationalen Energiebehörde (IEA) und dem US-Energieministerium, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Die OPEC erwartet, dass die Rohölnachfrage statt wie bisher angenommen um 1,35 nur noch um 1,28 Prozent steigen wird. Das macht in der täglichen Förderung einen Unterschied von 60.000 Barrel aus. Ursache sei neben den rasant gestiegenen Energiepreisen auch die nachlassende Konjunktur in den Industriestaaten.

Die massiven Preisausschläge von bis zu zehn Dollar am Tag deutete die OPEC als Bestätigung ihrer Einschätzung, dass die hohen Preise derzeit „nicht die Realität von Angebot und Nachfrage reflektieren“. Im vergangenen Monat seien die Preise nicht nur von Sorgen über Lieferungsengpässe und dem schwachen Dollar, sondern auch „spekulativem Druck“ geprägt worden. „Eine Prüfung der Aussichten für das verbleibende Jahr ergibt wenig Unterstützung dafür, dass die Preise auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben“, hieß es in dem OPEC-Monatsbericht.

Trotz dieser Entwicklungen will Saudi-Arabien als größter Erdölproduzent der Welt seine Fördermenge nach einem Bericht der „New York Times“ erhöhen. Wie das Blatt am Samstag (Onlineausgabe) unter Berufung auf Analysten und Ölhändler berichtete, will Saudi-Arabien die Tagesproduktion im kommenden Monat um rund eine halbe Million Barrel steigern. Dies sei den Analysten und Ölhändlern von saudischen Beamten mitgeteilt worden, schrieb die „New York Times“. Mit dem Zuwachs käme das Königreich dann auf eine Tagesproduktion von 10 Millionen Barrel. Die Maßnahme ist laut „New York Times“ ein Zeichen dafür, dass die Saudis angesichts politischer und wirtschaftlicher Auswirkung eines hohen Ölpreises zunehmend nervöser werden.

Saudi-Arabien lädt überdies zum 22. Juni zu einer Öl- Krisenkonferenz nach Dschidda ein. Teilnehmen sollen Regierungsvertreter aus den erdölproduzierenden Ländern und aus den Abnehmerstaaten sowie führende Konzernchefs aus der Ölindustrie. Ziel der Tagung sei es, nach Wegen zu suchen, um den rapiden Preisanstieg zu beenden. Saudi-Arabiens Regierung hatte betont, sie sei bereit, in Zusammenarbeit mit der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) alles zu tun, um die Preisspirale zu stoppen. Der Preis für OPEC-Rohöl ist unterdessen weiter gestiegen. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) am Donnerstag 129,77 US-Dollar. Das waren 88 Cent mehr als am Mittwoch. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

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