IWF-Gipfel
Finanzminister auf Diplomaten-Mission

Der Konflikt des Westens mit Russland überschattet auch das Treffen von Finanzministern und Notenbankchefs in Washington. Wolfgang Schäuble versucht die Lage zu beruhigen. Doch Muskelspiele lassen sich nicht vermeiden.
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WashingtonEigentlich ist es nur ein halbjährlicher Routinebesuch für Finanzminister Wolfgang Schäuble in Washington. Und doch ist diesmal wegen der Krise in der Ukraine alles anders als sonst bei der Frühjahrstagung des Internationale Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in der US-Hauptstadt.

Der Konflikt mit Russland dominiert das Treffen der Kassenhüter und Notenbankchefs aus den 188 Mitgliedsländern, auch wenn der CDU-Politiker das wohl am liebsten nicht so direkt ausdrücken würde: „Natürlich spielt die Ukraine auch am Rande eine zentrale Rolle“, sagte Schäuble am Freitag nach Gesprächen mit seinen Kollegen durchaus doppeldeutig.

Am Rande, aber doch so zentral. Nicht nur der IWF und die Weltbank läuten die Alarmglocken, dass die Konfrontation des Westens mit Moskau echte wirtschaftliche Gefahren birgt. Alle Prognosen kämen zu dem gleichen Ergebnis, erläutert auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Wie es in der Ukraine geopolitisch weitergehe, habe direkte Folgen für die Konjunktur.

Schäuble ist um Deeskalation bemüht

Der Währungsfonds korrigierte Russlands Wachstum für dieses Jahr bereits um 0,6 Prozentpunkte nach unten - und da seien noch nicht einmal die Sanktionen des Westens im vollen Ausmaß berücksichtigt, verdeutlichte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Wie die Zahlen in der Ukraine ausfallen könnten, will die Organisation derzeit lieber gar nicht veröffentlichen. Aber sie sähen wohl alles andere als gut aus.

So ist Schäuble bei seiner US-Reise merklich bemüht, die Krise nicht noch anzuheizen - und Kremlchef Wladimir Putin an den Pranger zu stellen. Anders als sein amerikanischer Amtskollege Jack Lew, der am Rande der IWF-Tagung die Russen noch einmal klar vor zusätzlichen Sanktionen warnte, spricht der Bundesminister lieber ausdrücklich von einer partnerschaftlichen Lösung mit Moskau.

„Wir wollen eine Eskalation verhindern“, sagt er und erläutert, man solle hier doch „nicht viele zusätzliche Äußerungen machen, die niemandem weiterhelfen“. Es seien ohnehin die Staats- und Regierungschefs „stark gefordert“, die Außenminister und auch die für die Energiepolitik zuständigen Minister. Schäuble wirkt wie ein Finanzminister auf diplomatischer Mission.

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