IWF-Jahrestagung
Die Angst vor dem zweiten Banken-Beben

Die Banken werden wie seit 2008 nicht mehr erschüttert: Ratingagenturen stufen sie herab, der internationale Währungsfonds verlangt neue Finanzspritzen, um die größten Risiken abzusichern. Was kann das Beben stoppen?
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DüsseldorfAuf die Notenbanker und Finanzminister, die heute in Washington zur Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenkommen, wartet eine Menge Arbeit: Wegen der Euro-Schuldenkrise und den Börsenturbulenzen wackeln die Banken der Welt bedrohlich. Die Warnungen vor einer neuen Finanzkrise könnten eindringlicher nicht sein: Nach der Lehman-Pleite 2008 waren Regierungen und Aufsichtsbehörden entschlossen, keine Großbank fallen zu lassen. Heute bestehen daran erhebliche Zweifel: Die Ratingagentur Moody's hat am Mittwoch die Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup herabgestuft, drei der größten US-Banken, herabgestuft. Zur Begründung hieß es, es sei weniger wahrscheinlich, dass die US-Regierung einschreiten werde, um die Kreditinstitute vor einer Pleite zu bewahren.

Zwar würde die Regierung voraussichtlich ein gewisses Maß an Hilfe für Finanzinstitute gewähren, teilte Moody's mit. Es sei zugleich aber wahrscheinlicher, dass das Scheitern einer in Schwierigkeiten geratenen Großbank hingenommen werde, als während der Finanzkrise 2008. Die Gefahr, dass eine Pleitebank andere Institute mit in den Abwärtsstrudel reißen könnte, sei nun nicht mehr so akut wie noch vor drei Jahren, hieß es.

Hinzu kommt die weiter schwelende Euro-Schuldenkrise: Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte am späten Mittwoch die Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Banken herab und drohte damit, dass dies auch bei acht weiteren Häusern geschehen könnte, nachdem die Agentur erst am Montag die Bonität des italienischen Staats von „A+“ auf „A“ herabgestuft und den Ausblick auf „negativ“ gesetzt. Die Agentur begründete diesen Schritt mit den ihrer Meinung nach schlechter werdenden Wachstumsaussichten für die Wirtschaft und den politischen Streitigkeiten im Land.

Die Angst vor einen neuen Crash ist inzwischen so groß, dass selbst Aufsichtsbehörden davor warnen, die nicht unbedingt für Alarmismus bekannt sind. Der bei der EZB angesiedelte Europäische Systemrisikorat (ESRB) hat am Mittwoch mit deutlichen Worten vor einer Verschärfung der Finanz- und Schuldenkrise gewarnt. Die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems hätten sich seit dem Sommer „merklich erhöht“, teilte der Rat aus Notenbankern und Finanzaufsehern am Mittwoch in Frankfurt mit.

Es bestehe durch die enorme Vernetzung von Finanz- und Realwirtschaft zudem die Gefahr, dass die Krise auf die Realwirtschaft übergreife - „in Europa und darüber hinaus“. Die Ansteckungsgefahren hätten sich zuletzt „signifikant erhöht“, hieß es - größte Risiken für die Finanzstabilität in Europa seien die Schuldenkrise in der Euro-Zone, Refinanzierungsprobleme vieler Banken und die absehbare globale Konjunkturabkühlung. Der ESRB wurde in Reaktion auf die erste Phase der Finanzkrise 2007 bis 2009 im Rahmen einer Neuordnung der Banken- und Finanzaufsicht in Europa ins Leben gerufen.

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Die Zeichen für einen neuen Crash verdichten sich

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  • ...Redner vor mir. Kein bisheriges System ist geeignet ein faires Wirtschaftssytem aufzubauen, weil alle den Systemfehler Zins beinhalten. Wichtig wird sein unser künftiges Geld direkt in Eigenkapital umzuschichten. Dies gibt den Unternehmen mehr Spielraum und sorgt dafür, dass kein zu viel Geld mehr entstehen kann. Das wird ausführlich im Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem ausführlich erklärt. Also es gibt Lösungen!!! Davon wird die Masse der Menschen profitieren und nicht mehr nur noch eingie.

  • unser System hat einfach einen Systemfehler, den Zins! Dadurch wird Geld von Arm nach Reich geschaffen, und das schon wieder seit Generationen. Diese Systeme gehen immer dann kaputt, wenn duch die zunehmende Geldausweitung, die Kraft der Bevölkerungen nicht mehr ausreicht um die Schulden zu bezahlen. Vorher gibt es dann das Geschachere wer wen noch übernimmt um seine Marktanteile noch größer auszuweiten. Ist immer das gleiche System - war teilweise bei den Römern schon so. Wichtig ist ein neues Wirtschaftssytem, was vom Autoren Stefan Groß in seinem hervoragendem Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem vorgestellt wird.

  • Ja, wir benötigen ein Trennbankensystem.

    Leider ist seit 2008 nicht viel, eigentlich gar nichts passiert.

    Ganz im Gegenteil: Sparkassen und Volksbanken, die nach wie vor ein seriöses, im Sinne der Volkswirtschaft, Geschäftsmodell haben werden in Sippenhaft genommen.

    Wir brauchen zwingend ein Trennbankensystem. Und keine Investmentbank ist too big to fail!

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