IWF-Kapitalaufstockung
Schwellenländer knüpfen Euro-Krisenhilfe an Reformen

Vor Beginn der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) streiten die Mitgliedsländer um die Macht im Gremium. Kanada und die BRIC-Staaten wollen den Einfluss Europas zurückdrängen.
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WashingtonDie erhoffte kurzfristige Aufstockung der IWF-Krisenabwehrmittel droht in Gefahr zu geraten. Heftiger Gegenwind kam am Donnerstag kurz vor Beginn der IWF-Frühjahrestagung in Washington von Kanada, aber auch von den wichtigsten Schwellenländern, den sogenannten BRICS-Staaten.

Kanadas Finanzminister Jim Flaherty hält die Anstrengungen zur Bekämpfung der Krise in einigen Euro-Ländern für immer noch nicht ausreichend. Zudem forderte er neue Regeln, die es den Europäern schwerer machten sollten, an Krisenhilfen des Fonds zu kommen. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega erklärte, die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika könnten noch keine Zusatzmittel für den IWF zusagen, weil die Bedingungen in Hinblick auf die verabredeten IWF-Reformen nicht erfüllt seien.

Dagegen äußerten europäische Politiker die Hoffnung, dass auf der IWF-Konferenz, die bis zum Wochenende andauert, die Beschlüsse für eine kräftige Mittelaufstockung beim IWF gefasst werden. „Ich hoffe sehr“, antwortete Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker Reuters auf eine entsprechende Frage. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen argumentierte, die Europäer hätte das ihre getan, um die IWF-Mittelerhöhung zu ermöglichen.

Und IWF-Chefin Christine Lagarde erwartet, dass sie neben schon zugesagten rund 320 Milliarden Dollar kurzfristig weitere Bereitschaftserklärungen erhält. Damit könnte die angestrebte Summe von mindestens 400 Milliarden Dollar erreicht werden. Zugleich machte Lagarde aber deutlich, der IWF sei nicht nur für Europa da, sondern wolle allen Ländern in Not helfen. Sie lobte, dass die Europäer ihre Rettungsschirme gegen Krisengefahren wie gefordert jüngst auf 800 Milliarden Euro, also rund eine Billion Dollar, aufgestockt hatten.

Der heftigste Widerstand kam von Kanadas Finanzminister Flaherty. Die Erfahrung zeige, dass sich krisenhaften Schocks oft urplötzlich und logisch nicht vorhersehbar ereigneten. Ihnen müsse daher mit überwältigenden, dramatischen Mitteln begegnet werden. „Offen gesagt, diese Art von Antwort sehen wir in Europa nicht“ bemängelte er.

Zudem kritisierte er, dass der IWF als Mitglied der Troika - der daneben noch die EU-Kommission und die EZB angehören - in den europäischen Krisenländern nicht eindeutig die Führung übernommen habe, sondern sich zu sehr einbinden habe lassen.

Flaherty forderte, Europa sollte seine große Zahl von Sitzen im IWF-Führungsgremium bei Entscheidungen über IWF-Krisenhilfen zu seinen Gunsten nicht mehr so leicht nutzen können. Er schlug zwei Abstimmungen in dem Gremium in solchen Fällen vor: eines der Europäer und einer der Nicht-Europäer im IWF-Board. Nur wenn beide zustimmten, solle es die Hilfen geben.

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  • Herr Flaherty macht es sich zu einfach, wenn er krisenhafte
    Shocks (also das Versagen der Finanzwirtschaft) als "urplötzlich und nicht vorhersehbar", also gottgewollt,
    einstuft. Solche Worte sind mit denen des Herrn Blankfein
    fast identisch. Warum bloß läßt sich solcher verbale
    Verleisterei immer wieder gut verkaufen ?

  • @margrit117888
    Ein historischer Rückblick auf das segensreiche Wirken des IWF [und der Weltbank] zeigt überdeutlich auf:
    Wer solche Retter auf seiner Seite hat, benötigt keine Angreifer mehr!
    Den Entscheidern der BRICS ist das schon lange klar, einer der Gründe, warum eigene Lösungen [vulgo: die Gründung einer Entwicklungsbank als Gegenpol zu den US-dominierten Organisationen] favorisiert werden.

  • Dass der IWF nun über Europa bestimmt, haben wir Merkel zu verdanken. Früher war der IWF ausschließlich für die Entwicklungsländer zuständig.
    Wir zahlen Entwicklungshilfe in alle Welt und nun sollen ausgerechnet diese Länder in den IWF-Topf einzahlen um Europa zu retten?
    Noch lächerlich geht es eigentlich nicht mehr
    Merkel hat alles in Europa, in Deutschland, was Jahrzehnte funktionierte, zerstört
    Warum soll denn auch z.B. Kanada Europa retten? Ein Geld was man erst retten muß, ist kein Geld und genau das muß endlich begriffen werden
    Ende endlich mit diesem Euro-Wahn das muß edlich begriffen werden

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