IWF-Kredite: Italien – der wohl reichste Bettler der Welt

IWF-Kredite
Italien – der wohl reichste Bettler der Welt

Die Szenarien in der Euro-Krise werden immer wilder: Nun soll sogar der IWF einspringen um Italien aus dem Schuldensumpf zu ziehen. Die Politiker sollten sich schämen, darüber überhaupt nachzudenken. Ein Kommentar

Josef Ackermann hat vor einiger Zeit eine Äußerung getan, für die er viel öffentliche Prügel bezogen hat. Dabei hatte der Deutsche-Bank-Chef nur etwas gesagt, das für jeden verantwortungsbewusst handelnden Unternehmenslenker selbstverständlich sein sollte. Nachdem die Bundesregierung ein milliardenschweres Rettungspaket für die deutsche Finanzindustrie geschnürt hat, sagte er im kleinen Kreis Anfang 2009: Er selbst würde sich „schämen“, wenn sein eigenes Haus Staatsgeld annehmen müsste.

Ausgerechnet viele Politiker haben ihm das als Arroganz ausgelegt. Doch mittlerweile wünscht man sich, dass mehr politisch Verantwortliche diese Art von Arroganz an den Tag legen würden. Aber wenn man sieht, wie hemmungslos Schuldenstaaten wie Griechenland oder Italien erst das Geld mit vollen Händen ausgeben und anschließend nach fremder Hilfe betteln, bleibt dies wohl ein frommer Wunsch.

Dass jetzt offenbar die italienische Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds über eine Kreditlinie in dreistelliger Milliardenhöhe verhandelt, zeigt, dass mittlerweile fast alles egal zu sein scheint. Und das Schlimmste: es gibt nicht einmal einen öffentlichen Aufschrei.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eines der reichsten Länder der Erde kommt als Bettler zum IWF und Politiker und Experten diskutieren das als normales Szenario zur Lösung der Euro-Krise. Nur mal zur Erinnerung: Laut der Statistik der italienischen Notenbank beläuft sich allein das Geldvermögen in Italien auf 3,6 Billionen Euro. Damit haben die Bürger des Landes das Doppelte der Staatsschuld auf der hohen Kante. Warum da andere Länder als Helfer einspringen müssen, ist nicht so recht zu begreifen.

Auch ein anderes Verhältnis macht den Irrsinn der jüngsten Zahlenspiele deutlich: Italien braucht angeblich ein Notpaket von 400 Milliarden Euro. Dem IWF stehen aber insgesamt nur rund 380 Milliarden Dollar an Kreditvolumen für Länder in Not zur Verfügung. Dass jetzt die Weltgemeinschaft für eine Aufstockung des IWF zur Kasse gebeten werden soll, nur um leichtfertige Italiener zu retten – das ist ein Schlag ins Gesicht für solide wirtschaftende Schwellenländer.

Offenbar hat Italiens Regierung den Rat von Wilhelm Busch zu wörtlich genommen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert.“ Doch solange die Politiker hemmungslos nach jedem Almosen greifen und sich dabei nicht mal schämen, solange müssen sie sich nicht wundern, dass ihnen die Investoren nicht mehr bedenkenlos ihr Geld anvertrauen. Mit immer kreativerer Geldbeschaffung gewinnen sie das Vertrauen nicht zurück.

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%