IWF-Nachfolge
Lagardes Kandidatur wird konkret

Christine Lagardes Kandidatur um den IWF-Chefposten nimmt Form an. Immer mehr Länder sprechen der Französin ihre Unterstützung aus. Und die Powerfrau hat für Mittwoch bereits zu einer wichtigen Pressekonferenz geladen.
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Paris/Dublin Die französische Finanzministerin Christine Lagarde will Kreisen zufolge am Mittwoch ihre Kandidatur für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erklären. „Ich gehe davon aus, dass Frau Lagarde ihre Kandidatur bekanntgegeben wird. Auf der europäischen Seite ist nun alles klar, wir haben einen Konsens erzielt“, sagte ein Diplomat am Dienstagabend. Lagarde hat für Mittwoch eine Pressekonferenz um 11.45 Uhr einberufen. Ein Vertreter des französischen Finanzministeriums sagte, Lagarde werde eine wichtige Ankündigung machen. Weitere Details wurden nicht genannt. Eine weitere mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, die EU-Länder hätten sich auf die Unterstützung Lagardes geeinigt. Nach dem Rücktritt von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gilt Lagarde als Favoritin für den Posten.

Vielleicht hat auch die Unterstützung Chinas Lagarde zu diesem Schritt bewogen. „Der Euro benötigt unsere Aufmerksamkeit, wir brauchen die Europäer (an Bord), die Chinesen stehen hinter der Kandidatur von Christine Lagarde“, sagte Haushaltsminister und Regierungssprecher Francois Baroin am Dienstag dem französischen Hörfunksender Europe 1. Noch sei es allerdings zu früh zu sagen, ob Lagarde als Kandidatin antreten werde. 

Mit der zusätzlichen Rückendeckung der Volksrepublik würde Lagarde an den vordersten Startplatz im Rennen um den Chefsessel des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufrücken. Die USA haben sich Kreisen zufolge bereits für einen Europäer ausgesprochen. Die USA und die europäischen Länder halten gemeinsam mehr als die Hälfte der IWF-Stimmrechte, womit sie genügend Macht haben, über die Führung des Fonds zu entscheiden. Chinas Außenministerium wollte keine Stellung nehmen. 

Streit mit Schwellenländern

Um die Nachfolge des in New York wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn ist ein Streit zwischen Europa und den Schwellenländern entbrannt. Traditionell besetzen die Europäer den Chefposten des IWF, während die USA die Führung der Weltbank übernehmen. Der IWF will bis Ende Juni entscheiden, wer den Posten übernimmt. Deutschland würde eine Kandidatur Lagardes unterstützen. 

Allerdings gilt ein Gerichtsverfahren als größte Gefahr für die Chancen der französischen Politikerin auf die Stelle als IWF-Chefin. Am 10. Juni gibt die Justiz bekannt, ob in der seit Jahren schwelenden Affäre gegen sie eine formale Untersuchung wegen Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder eingeleitet wird. Am selben Tag endet auch die Frist für die offizielle Nominierung von Kandidaten für den IWF-Chefposten. 

Nach Einschätzung eines Beraters der chinesischen Notenbank sollte die Macht der USA im IWF eingeschränkt werden. Im Gegenzug sollte den Schwellenländern mehr Gewicht beigemessen werden, sagte Xia Bin. Die Frage sei nicht, wer als Kandidat aufgestellt werde. „Das Problem ist, dass die Stimmrechte der USA zu groß sind“, sagte der Berater der Zentralbank. Solange sich dies nicht ändere, könne der IWF keine Fortschritte machen. 

Erst im vergangenen Jahr hatten die Schwellenländer mehr Gewicht im IWF bekommen. Die Volksrepublik stieg zum drittstärksten Mitglied auf. Die Stimmrechte lehnen sich an die Größe der Volkswirtschaft des Landes an. Die USA sind mit knapp 17,7 Prozent der Stimmrechte weiterhin mächtigstes Mitglied. China ist nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. 

Mexikos Zentralbankchef Agustin Carstens macht sich trotzdem weiter Hoffnung auf den begehrten Posten beim IWF. Er sagte am Dienstag, dass bereits einige Länder ihre Sympathie für seine Kandidatur bekundet hätten. Er habe sich mit einigen US-Vertretern über seine Pläne unterhalten, sagte er Bloomberg TV. Carstens kann bislang nicht auf die Unterstützung von Schwergewicht Brasilien zählen. Die Nationalität spiele keine Rolle, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega am Montag in Brasilia und erbat sich mehr Zeit, um alle Kandidaten bewerten zu können. Carstens war bereits drei Jahre stellvertretender IWF-Chef.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mich würde mal interessieren,
    wie lange eine von schwachsinn geprägte Welt braucht, um zu erkennen daß alle den Dollar als einzige Währung einführen müssen, damit sie sich von ihm befreien können. Scheinbar braucht sie mehr schmerz

    Schaut in den EWU-Raum und ihr werdet sehen, wie das funktioniert eine Währung klein zu kriegen. Was natürlich absolut nicht heißt, daß der Dollar diesen Weg nicht auch schon einen ganzes Stück gegangen ist.

  • Solange die Bevölkerung noch den linken Einheitsparteienbrei wählt, wird sich nichts ändern. Sie haben Recht mit Ihrer Aussage, dass Rot/Grün unser Geld noch schneller verschenkt als Schwarz/Gelb.
    Die Nichtwähler sollten endlich mal ihren Allerwertesten bewegen und die kleinen, zum Teil neuen Parteien, unterstützen. Vom Nichtwählen ändert sich nämlich auch nichts. Leider werden diese Menschen hier nicht mitlesen und sich noch darin sonnen, dass sie nicht wählen waren.

  • Mme Lagarde als Chefin des IWF??? Eine tolle Belohnung für eine Frau die sich für den Rechtsbruch bei der Bail-Out Klausel eingesetzt hat und diesen für richtig erachtet. Offensichtlich leben wir in keinem Rechtsstaat mehr. Unsere Regierung tut alles "zum Schaden des deutschen Volkes". Das will sie den Leuten als "alternativlos" verkaufen.
    Die größte Schweinerei kommt jedoch noch:

    "Zum einen soll den führenden Mitarbeitern des ESM eine strafrechtliche Immunität zuerkannt werden (Artikel 30), was den Einsatz von Steuergeld für Rettungsaktionen und Bailouts wie in den Fällen Griechenland, Irland und Portugal noch leichter von der Hand gehen lässt und jene, die das Geld ausgeben, ganz von (demokratischer) Verantwortung freistellt.
    Zweitens fällt mir, wie dem geschätzten Leser, auf, dass eine Beteiligung der nationalen Parlamente bei der Ausübung finanzieller Rettungsaktionen gar nicht gewünscht ist. Der von den Euroländern mit jeweils zwei Personen besetzte Gouverneursrat bestimmt das alles selbst. Dieses Gremium wird jedoch von der Exekutive, den Regierungen, der einzelnen Mitgliedsländer eingesetzt."

    Hier nachzulesen: http://blog.markusgaertner.com/2011/05/22/griechenland-wird-aufgeteilt/

    Eigentlich kann man wirklich nur noch in's außereuropäische Ausland auswandern!!! Deutschland schafft sich ab - da hat Sarrazin wohl in vielerlei Hinsicht Recht.


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