IWF-Prognose
Im Schatten von Brexit und Trump

Im Frühjahr zeigte sich der Internationale Währungsfonds (IWF) noch deutlich negativer über die Aussichten in der Weltwirtschaft. Eigentlich läuft alles besser als erwartet. Nur einer bereitet den Ökonomen große Sorgen.
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BerlinDie Euro-Krise scheint vorbei. Jedenfalls beurteilt – nach deutschen und europäischen Ökonomen – auch der Internationale Währungsfonds die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone deutlich besser als im Frühjahr. Gegenüber seinem „World Economic Outlook“ vom April korrigiert der IWF jetzt seine Prognose für dieses Jahr um kräftige 0,4 Prozentpunkte herauf und erwartet für die Euro-Staaten ein Plus von 2,1 Prozent. Auch Deutschland wächst mit 2,0 Prozent kräftiger, als der Fonds im Frühjahr annahm. Der Aufschwung geht demnach im kommenden Jahr weiter: mit einem Plus von 1,9 Prozent in der Euro-Zone und 1,8 Prozent in Deutschland, erwarten die IWF-Ökonomen.

Es läuft also wirtschaftlich gut in Europa: In den Euro-Staaten hat 2016 erst der Konsum angezogen, jetzt erholt sich auch der Export. Nicht nur Exportweltmeister Deutschland profitiert von der Erholung des Welthandels, auch die übrigen Europäer stehen besser da. Mit Ausnahme der Briten: Für Großbritannien korrigiert der Fonds die Wachstumserwartungen gegenüber April für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent nach unten: Der Brexit wirft seine Schatten voraus.

Die USA boomen ebenfalls weniger, als Ökonomen zu Beginn der Amtszeit von Präsident Donald Trump erwartet hatten: Die steuerlichen Impulse, die Trump im Wahlkampf versprochen hatte, sind bisher nicht umgesetzt. Eine Sonderkonjunktur durch sein „America-first“-Programm erwartet der IWF inzwischen nicht mehr. „Die IWF-Mitarbeiter gehen von einer unveränderten Politik aus, während sie im April noch einen fiskalischen Stimulus durch Steuersenkungen erwartet hatten“, heißt es nüchtern im Wirtschaftsausblick für die USA. Dies gelte vor dem Hintergrund „deutlicher politischer Unsicherheit“.

Schlecht geht es den USA deshalb allerdings nicht wirklich: Der Aufschwung, der noch während der Präsidentschaft von Barack Obama mit guter Konsumstimmung und starken Unternehmensgewinnen begonnen hatte, werde sich kontinuierlich fortsetzen. Nur eben ohne Extra-Push.

Die Politik spielt in Europa ebenfalls eine wichtige Rolle für die Konjunkturaussichten: In der Euro-Zone sind sie auch deshalb besser geworden, weil in Österreich, den Niederlanden und Frankreich rechte Parteien, die auf nationale Abschottung setzen, doch nicht an die Macht gekommen sind.

In Großbritannien wiederum ist die Zukunftsunsicherheit nach dem Brexit-Votum deutlich gestiegen. „Die mittelfristigen Aussichten hängen teilweise davon ab, wie das wirtschaftliche Verhältnis zur EU aussehen wird und in welchem Maß Grenzen für Handel, Migration und grenzüberschreitende Finanztransaktionen gesetzt werden“, beurteilt der IWF die Aussichten. Je mehr Protektionismus, so die Botschaft, desto schlechter für die britische Wirtschaft.

Den Regierungen der Industrieländer empfiehlt der IWF, den Aufschwung für unpopuläre Strukturreformen zu nutzen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron liegt demnach mit seiner Arbeitsmarktreform jetzt zeitlich genau richtig. Auch die Haushaltskonsolidierung sollten Staaten in der Hochkonjunktur beginnen. Für Spanien mit seinem kräftigen Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr ist auch nach Meinung des IWF jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Während der Euro-Krise hatte der IWF im Gegensatz zu Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor einem Sparkurs gewarnt: Er hätte die Rezession in Südeuropa nur verschärft, meinten damals die IWF-Ökonomen.

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  • Noch mehr bin ich gespannt, was nun in Katalonien passieren wird. Egal, was Spanien machen wird, die Katalonien hassen die Konquistadores und werden sich auch weiterhin quer stellen, dass sie arbeiten sollen und der Rest von Spanien verprasst das hart erarbeitete Geld.

    Ob es bald zum Flächenbrand kommt, wo auch wieder die Bayer in ein niederes Agrarland , alleine, zurück fallen würden?

    Mal sehen, wo man auf die Börsensteuer verzichtet. Genau in so ein Land würde ich umsiedeln.

  • Hört sich alles in allem durchaus stabil und somit beruhigend an, aber ich fürchte, hier liegt "der Wurm drin" - und dies nicht erst auf längere Sicht:

    "In den Schwellen- und Entwicklungsländern wiederum dämpfen die schwächer als erwartet steigenden Energie- und Rohstoffpreise das Wachstum. Für Afrika bleibt das Wachstum mit 2,6 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im nächsten Jahr zu schwach: Weil die Bevölkerung stärker wächst, dürfte die Armut gerade in den ärmsten Ländern des Kontinents noch zunehmen."

    Und vor dem Hintergrund der immer schneller voranschreitenden Erwärmung hier auf der Erde und deren letztlich immer noch unabsehbaren Folgen ist auch das hier nicht unbedingt eine gute Nachricht:

    "Den reichen Ländern nutzt allerdings nach wie vor das Niedrigzins-Umfeld und ein entgegen früheren Erwartungen kaum gestiegener Ölpreis: Der Fonds erwartet, dass er auch im nächsten Jahr mit um die 50 Dollar pro Fass stabil bleibt. Denn Knappheit tritt wohl nicht ein: Die USA fördern wieder mehr Öl durch Fracking, und auch Nigeria und Libyen haben ihre Fördermengen erhöht."

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