IWF-Tagung
Bankenverband fürchtet „Zombie-Banken“

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken warnt: In Europa könnten „Zombie-Banken“ entstehen, wenn bankrotte Banken nicht abgewickelt werden. Auf der IWF-Tagung in Tokio äußerte er sich auch zur Politik der EZB.
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Frankfurt/TokioDie deutschen Privatbanken fordern radikale Aufräumarbeiten im europäischen Finanzsektor. Nur wenn die Sanierung der Geldhäuser vorangetrieben werde, könne die Schuldenkrise gelöst werden, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, am Samstag laut Redetext auf der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Tokio.

Kreditinstitute ohne tragfähiges Geschäftsmodell müssten abgewickelt werden, "damit in Europa keine Zombie-Banken entstehen". Mit Blick auf die Milliardenhilfen für Spaniens Banken fügte Schmitz an: "Es darf nicht geschehen, dass eigentlich bankrotte Institute durch staatliche Alimentierung weiter künstlich am Leben gehalten werden." Die Mittel müssten sorgsam eingesetzt werden.

Auch die Geldmarktflutung durch die Europäische Zentralbank (EZB) macht dem BdB Sorgen. "Sie birgt die Gefahr, dass viele Institute diese Form der Liquiditätsausstattung für den Normalzustand halten", sagte Schmitz. Das dürfe aber nicht sein. "Wir brauchen bald wieder einen funktionierenden Geldmarkt. Und wir brauchen einen funktionierenden Wettbewerb zwischen den Instituten."

Eine auch auf EU-Ebene diskutierte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken lehnen die deutschen Privatbanken weiter ab. „Die Annahme, durch eine Änderung der Bankenstruktur könne ein Beitrag zu einem stabileren Finanzsystem geleistet werden, ist falsch“, sagte Schmitz. „Deutschland braucht kein wie auch immer geartetes Trennbankensystem.“ Gefahren für die Finanzmarktstabilität könnten sowohl von Instituten mit einem breit aufgestellten Geschäftsmodell als auch von Spezial- und Investmentbanken ausgehen.

Am Rande der Tagung äußerte er sich auch zum Hilfsvorschlag von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen für Griechenland. Ebenso wie zuvor die Bundesregierung blieb er dabei zurückhaltend. "Die Frage ist, wenn ein solches Rückkaufprogramm käme, wie schnell dann möglicherweise diejenigen, die verkaufen könnten oder wollten, dafür höhere Preise verlangen", sagte er.

Käme es zu einer solchen Preisbewegung, wäre der Effekt des Modells relativ gering. Das Kernproblem bleibe, dass selbst dann, wenn man Griechenland völlig entschulden würde, das Land am Ende des Jahres bereits wieder Schulden auf dem Konto hätte.

Asmussen hatte der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, er könne sich vorstellen, dass die Regierung in Athen Geld zur Verfügung gestellt bekomme und damit eigene Staatsanleihen auf den Märkten zurückkaufe. Nach seinen Worten könne so die hohe Schuldenquote des Landes gedrückt werden.

Dies sei nötig, denn es zeichne sich ab, dass die Staatsverschuldung 2020 deutlich über dem angepeilten Wert liegen werde. "Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern. Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören", sagte Asmussen. Woher das Geld für den Rückkauf kommen könnte, ließ Asmussen offen.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IWF-Tagung: Bankenverband fürchtet „Zombie-Banken“"

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  • Wieso fürchten?
    Zombie-Banken haben wir doch schon.

  • Die Krise wurde doch durch die Investment Banker und die Schattenbanken, die Hedge Fonds ausgelöst. Weil diese Leute immer gieriger wurden. Unterstützt damals von Steinbrücks Steuererleichterungen für Versicherungen und Hedge Fonds in 2005. 2008 dann durfte der Steuerzahler dafür einstehen. Seitdem tat sich seitens einer Deregulierung nichts. Nun macht Steinbrück wieder Sprüche im Wahlkampf. Was davon zu halten ist, werden wir dann wohl nach der Wahl sehen. Richtig ist, dass diese Bad Banks abgewickelt werden müssen. Aber anscheinend geht man dazu über auch die EZB jetzt zu einer solchen zu machen. Zum Leidwesen der deutschen Sparer, Rentner und Steuerzahler. Die Verarmungspolitik der EU feiert mit dem ESM fröhliche Urstände.

  • Ich würde nicht soweit gehen Frau Merkel und Co. Vorsatz zu unterstellen. Eher Dummheit gepaart mit aus Verlegenheit und Unwissenheit entstehender Unfähigkeit zu starken und schmerzhaften, daher unpopulären, Entschlüssen. Dabei begreifen sie nicht dass sie durch ihr Handeln genau das Gegenteil bewirken von dem wozu sie sich verpflichtet haben: Unheil vom eigenem Volke abzuwenden.

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