IWF-Tagung
Europa ist wieder das Sorgenkind

Die Furcht vor einem Aufflammen der Krise in der Euro-Zone dominiert das IWF-Treffen in Washington. Über die richtigen Reaktionen auf die neuen Risiken herrscht große Uneinigkeit.
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WashingtonWenn Wolfgang Schäuble (CDU) unter Druck gesetzt wird, reagiert er mit beharrlicher Sturheit. Beim Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington wurde der deutsche Finanzminister fast stündlich aufgefordert, seinen Sparkurs zu lockern und die Investitionen zu steigern. Vor allem seine Duzfreundin und IWF-Chefin Christine Lagarde machte Druck, genauso der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Wie er den beiden denn entgegenkommen wolle, wurde Schäuble in Washington gefragt. „Ich bin nicht von morgens bis abends damit beschäftigt, jemanden zufriedenzustellen“, antwortete er spöttisch.
Dass die Erwartungen an Schäuble so hoch sind, macht vor allem eines deutlich: Europa ist wieder das Sorgenkind Nummer eins der globalen Finanzelite. Bei den vergangenen IWF-Treffen hatte man der Währungsunion noch große Fortschritte attestiert. Doch nun lassen die schwachen Konjunkturprognosen die Alarmglocken schrillen. Schon warnen einige in Washington vor einer Euro-Krise 2.0.

Die Grundstimmung hatte der Währungsfonds bereits zu Beginn des Treffens angestimmt: In einem Bericht korrigierte er die globalen Wachstumserwartungen nach unten – vor allem wegen einer überraschend schwachen Entwicklung in der Euro-Zone. Und mehr noch: Der IWF bezifferte das Risiko, dass die Währungsunion erneut in die Rezession rutscht auf bis zu 40 Prozent. Diese Wahrscheinlichkeitsrechnung gefällt Schäuble gar nicht, wird aber von vielen als realistisch eingestuft.

Während vor allem die USA dafür gepriesen werden, wie schnell sie durch expansive Fiskal- und Geldpolitik nach der Finanzkrise wieder zu robustem Wachstum fanden, sehen für Europa viele düster. Die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone sei „zaghaft“, heißt es im Abschluss-Kommuniqué des IWF. Die europäische Wirtschaft sei in einem „ziemlich besorgniserregenden Zustand“, sagt etwa Axel Weber, Verwaltungsratschef bei der Schweizer Bank UBS und früher Bundesbank-Präsident. „Man findet einfach kein Wachstum“, attestiert Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank.
In Washington ging es nun um die Frage, wie Europa einen Rückfall in gefährliche Krisenzeiten verhindern kann. Eine Antwortet lautete: Es braucht Strukturreformen in den schwachen Ländern, allen voran in Frankreich und Italien. Dazu mahnten nicht nur Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, sondern auch Draghi und Lagarde. Das ist immerhin ein kleiner Konsens, auf den sich alle in Washington einigen konnten. Auch im Abschluss-Kommuniqué findet sich die Mahnung zu Strukturreformen. Darauf verwies vor allem Schäuble. Schließlich ist es für ihn ein Erfolg, mahnt doch die Bundesregierung bereits seit Jahren zu Strukturreformen.

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Europa ist wieder das Sorgenkind

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IWF ermunterte Draghi, die Geldpolitik zu lockern

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    Südeuropa (inkl. Frankreich) ist wieder das Sorgenkind wäre korrekt! Dank des EUR-Systems werden aber auch zunehmend die gesunden nordeuropäischen Länder infiziert und ihre Bürger enteignet und in Altersarmut geschickt ... danke CDUSPD. Zum Glück gibt´s jetzt die neue Partei der Mittelschicht AFD

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    Südeuropa (inkl. Frankreich) ist wieder das Sorgenkind wäre korrekt! Dank des EUR-Systems werden aber auch zunehmend die gesunden nordeuropäischen Länder infiziert und ihre Bürger enteignet und in Altersarmut geschickt ... danke CDUSPD. Zum Glück gibt´s jetzt die neue Partei der Mittelschicht AFD

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