Unterlaufen wird die Arbeit der Bank zudem von neuen regionalen Geberstrukturen etwa in Afrika und Lateinamerika. Wenn China oder Venezuela armen Ländern Kredite gewähren, knüpfen sie diese nicht an so strenge Auflagen wie die Weltbank. Allerdings verkaufen die Empfänger durch die einseitige Bindung an einzelne Geldgeber auch einen Teil ihrer Unabhängigkeit.
Das letzte große Erfolgsprogramm der Weltbank liegt inzwischen schon wieder ein paar Jahre zurück. Wolfowitz’ Vorgänger James Wolfensohn hatte in den 90er-Jahren mit der so genannten HIPC-Initiative die Entschuldung der ärmsten Länder zum Ziel erklärt. Seine These: Wenn ein armes Land hoch verschuldet ist, werden die wichtigen Exporterlöse für Zinsen und Tilgung verbraucht – und stehen nicht für wichtige Infrastrukturprojekte zur Verfügung. 28 Länder haben bislang Entlastungen von zusammen 56 Mrd. Dollar erhalten. Das Projekt wurde zwar immer wieder kritisiert – etwa wenn es um die Kriterien geht, die ein Land für die Hilfe qualifiziert – aber im Ergebnis gelten die Maßnahmen als Erfolg.
Zoellick muss die Weltbank nun inhaltlich neu ausrichten und klare Ziele vorgeben. Gleichzeitig muss der Ex-Handelsbeauftragte von US-Präsident George W. Bush aber auch das Vertrauen wieder herstellen, dass durch den Wolfowitz-Skandal erschüttert wurde. Denn nichts kann eine Institution stärker aus der Balance bringen als der Verdacht, dass eines ihrer ehernsten Prinzipien – der Kampf gegen die Korruption – von ihrer Führungsriege selbst verletzt wird.
Der designierte Nachfolger von IWF-Chef Rato, Dominique Strauss-Kahn, hat wenigstens nicht mit solchen moralischen Anfechtungen seiner Institution zu tun, wenn er den Fonds im Oktober übernimmt. Doch dürften die Anteilseigener beider Organisationen die Arbeit der neuen Chefs nun genau verfolgen. Immer wieder werden Stimmen laut, die eine Abschaffung oder zumindest doch deutliche Verkleinerung vor allem des IWF fordern. Und als Zielscheibe der Globalisierungsgegner stehen beide Organisationen ohnehin in der öffentlichen Kritik. In der Zukunft wird ihre Hauptaufgabe deshalb darin bestehen, ihre Existenz zu rechtfertigen.


