IWF- und Weltbanktagung
In Singapur geht Sicherheit vor Freiheit

Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong hat das Demonstrationsverbot in seinem Stadtstadt während der Jahrestagung von IWF und Weltbank verteidigt. Er sagte dem Handelsblatt, in der multiethnischen Gesellschaft Singapurs könnten Demonstrationen schnell außer Kontrolle geraten. Das wolle die Regierung nicht riskieren.

Handelsblatt: Herr Minsterpräsident, unmittelbar nachdem der Internationale Währungsfonds das letzte Mal 1997 in Asien tagte, stürzte die Region in eine tiefe Finanzkrise. In welcher Verfassung präsentiert sich Asien heute?

Lee Hsien Loong: Im Großen und Ganzen in einer guten. Nach der Finanzkrise haben die Staaten etliche Maßnahmen ergriffen, um ihre Wirtschaften umzustrukturieren. Das Vertrauen in die Region ist zurückgekehrt. Ich will damit nicht sagen, dass alle Probleme gelöst sind, aber wir sind wieder im Geschäft.

Hat der IWF in Asien durch sein damaliges Krisenmanagement an Glaubwürdigkeit verloren?

Ob der IWF in der Asienkrise die richtigen Entscheidungen getroffen hat, ist umstritten. Ich glaube, der IWF hat einige Fehler begangen, aber daraus gelernt. Es doch so: In solche einer Krise gibt es keine einfachen Entscheidungen ohne Opfer. Es gab viele Zielkonflikte und der IWF als Asiens Arzt musste die Entscheidung über die richtige Dosierung der Medizin treffen. Dabei lag er manchmal daneben, manchmal gab es die richtige Arznei nicht. Aber unstrittig braucht man einen Arzt, um aus solch einer Krise wieder herauszufinden.

Ist der IWF für Asien heute noch relevant?

Ich glaube ja. Ich glaube nicht, dass es für asiatische Staaten oder irgend-eine andere Weltregion heutzutage möglich ist, wirtschaftliche Proble-me auf eigene Faust zu lösen. In der Asienkrise musste die Region viele, viele Milliarden aufbringen. Das war für manche Staaten eine Überforde-rung. Zudem war kein Land damals in der Lage, jene Verantwortung für Kreditkonditionen unter Nachbarn zu tragen, die eine supranationale Institution wie der IWF auferlegen konnte.

Inzwischen haben viele Länder in Asien, vor allem China, hohe Devisereserven aufgebaut. Schützen die genügend vor neuer Anfälligkeit?

Einer der Gründe für hohe Devisenreserven ist, externe Schocks abwehren zu können. China hat die größten Reserven, allerdings weniger als Schutzwall gegen Schocks, sondern um die Währung stabil zu halten. Die anderen asiatischen Länder haben vernünftige Bestände aufgebaut. Aber als Puffer können diese Beträge schnell aufgezehrt werden.

Die Weltwirtschaft wird von großen Ungleichgewichten geprägt. Wo liegen die größten Risiken für Asien?

Das größte Risiko, liegt in den amerikanischen Defiziten, die von Überschüssen aus Asien gespeist werden. Ein anderes Risiko ist, dass wir immer stärker mit China verflochten sind. Und wenn die chinesische Wirtschaftsleistung stark absinken sollte, was in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren mehr als einmal geschehen ist, dann werden viele Länder Asiens leiden. Das Problem der Ungleichgewichte werden wir nicht über Nacht lösen. Aber wir müssen einen Mechanismus finden, der verhindert, dass die Dinge außer Kontrolle geraten.

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