IWF
Währungsfonds gibt sich weiter skeptisch

Der Aufschwung trägt nicht. Das befürchtet der Internationale Währungsfonds. Warum die Organisation glaubt, dass die Konjunktur sich noch nicht erholt hat - und was aus ihrer Sicht geboten ist, um zu verhindern, dass die Krise zurückkehrt.
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FRANKFURT. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist besorgt über die Tragfähigkeit der wirtschaftlichen Erholung. "Die Schlüsselfrage ist, ob das Finanzsystem in der Lage ist, genügend Kredite zur Verfügung zu stellen, um einen Aufschwung zu alimentieren", schreibt die Washingtoner Währungsbehörde in ihrem gestern vorgelegten halbjährlichen "Global Financial Stability Report".

Zwar hätten die Bankbilanzen in jüngster Zeit von Kapitalerhöhungen und Gewinnen profitiert. Es sei aber zu befürchten, dass die Verschlechterung der Kreditqualität die Bankbilanzen weiterhin unter Druck setzen werde. Davon sei Europa stärker betroffen als die USA. Die US-Banken hätten den bis 2010 dauernden "Verlustzyklus" mehr als halb hinter sich. Aufgrund versetzter Konjunkturzyklen hätten die Europäer bisher aber noch nicht so viel abgeschrieben.

Der IWF sieht die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten sowohl in den USA als auch in Europa bis in das kommende Jahr hinein weiter zurückgehen. Beziehe man die gestiegene Kreditnachfrage des öffentlichen Sektors ein, reiche das Angebot möglicherweise nicht einmal aus, um die schwache Nachfrage der privaten Haushalte und Unternehmen zu befriedigen. Dadurch könnten die Zinssätze nach oben getrieben werden. Der Kapitalstrom, der eigentlich die wirtschaftliche Erholung stützen sollte, würde beschnitten. Um die Zinssätze niedrig zu halten, empfiehlt der IWF, möglicherweise die öffentliche Unterstützung bei der Kreditversorgung zu verlängern.

Ohnehin geht der IWF davon aus, dass es in vielen Jurisdiktionen länger dauern könnte, ehe sich die öffentlichen Stellen ganz aus der Bereitstellung von Liquidität und Finanzmitteln zurückziehen können. Dafür müsse es erst tiefere Reformen im Finanzbereich geben und schwache Banken müssten abgewickelt werden. Das erfordere erneute Anstrengungen, um das Eigenkapital der Banken zu erhöhen und die Bankbilanzen von fragwürdigen Aktiva zu bereinigen. Der IWF empfiehlt offizielle Stresstests, um den Zustand der Banken zu überprüfen und entweder Strategien zur Rekapitalisierung lebensfähiger Banken zu formulieren oder die vorsichtige Auflösung nicht lebensfähiger Banken zu betreiben.

Nach Ansicht des IWF wäre es neben einer klar definierten Strategie für den Abzug unkonventioneller Hilfsmaßnahmen sinnvoll, Klarheit über künftige Reformen in der Regulierung zu schaffen, um systemische Risiken abzuwenden. Auch wenn die größten Risiken der Krise nachgelassen hätten, dürften die Verantwortlichen in ihren Bemühungen nicht nachlassen, ein robustes Finanzsystem zu schaffen. Ein ganzheitlicher, verständlicher Ansatz müsse formuliert werden, damit die Finanzinstitute entsprechend planen könnten.

Erforderlich sei nicht nur festzulegen, wie stark das Eigenkapital, Provisionen und Liquiditätspuffer angehoben werden müssten. Wichtig sei es auch, nach den umfassenden Unterstützungen in vielen Ländern die Marktdisziplin wieder herzustellen. Vorschläge zur Reduzierung der Prozyklizität im Finanzsystem und zur Anhebung der Kapitalpuffer lägen bereits vor. Sicherzustellen, dass kein Institut mehr als "too big to fail" angesehen werde, bedeute aber noch ein großes Stück Arbeit. mak

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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