Izchak Herzog: Der vermeintliche Langweiler

Izchak Herzog
Der vermeintliche Langweiler

Noch vor wenigen Monaten galt Izchak Herzog als aussichtsloser Kandidat bei den Wahlen in Israel. Doch sein Mitte-Links-Bündnis hat mächtig aufgeholt. Gelingt ihm im Tandem mit Livni der Überraschungssieg?

Tel AvivIzchak Herzog, 54, gilt als typischer Vertreter der israelischen „Aristokratie“. Sein Vater Chaim Herzog war Israels Staatspräsident, sein Großvater noch vor der Staatsgründung Chefrabbiner. Und sein Onkel war der legendäre frühere Außenminister Abba Eban.

Die einflussreiche Herzog-Familie sei „Israels Antwort auf die Kennedys“, schrieb die Zeitung „Haaretz“. Trotz seines elitären Hintergrunds wirkt der Vorsitzende der Mitte-Links-Opposition selbst jedoch wenig glamourös. In den Wochen vor der Wahl kämpfte der Rechtsanwalt vor allem darum, sein farbloses Image aufzupolieren.

Denn die meisten Israelis finden Herzog wenig charismatisch und etwas spröde, viele witzeln über seine Stimme, die hell und gar nicht staatstragend klingt. Er soll deshalb sogar einen Sprechtrainer engagiert haben. Nur wenige trauten dem in Tel Aviv geborenen Politiker das Amt des Ministerpräsidenten zu - er wirke einfach zu weich. „Ich habe mein Leben lang immer wieder Menschen überrascht“, sagte Herzog dazu allerdings noch vor der Wahl.

In der Tat hat er sich schon zäh an die Spitze der Arbeitspartei gekämpft und 2013 die bisherige Vorsitzende Shelly Jachimovich als Oppositionsführerin abgelöst. Gemeinsam mit der ehemaligen Außenministerin Zipi Livni will er nun auch den bisherigen Regierungschef Benjamin Netanjahu aus dem Sattel heben.

Der schlanke, braunhaarige 54-Jährige ist nicht nur äußerlich ein Gegenkandidat zu Netanjahu. Herzog kritisierte zuletzt scharf Netanjahus Rede vor dem US-Kongress Anfang März: Sie habe den Beziehungen zwischen Israel und den USA enorm geschadet. Während Netanjahu im Wahlkampf die Angst vor der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und dem Iran beschwor, sprach sich Herzog für Frieden mit den Palästinensern aus und warb mit sozialen Themen.

In der Armee diente Herzog vier Jahre lang in der angesehenen Elite-Geheimdiensteinheit 8200. Sie ist vergleichbar mit dem US-Geheimdienst NSA und auch für Cybersicherheit zuständig. Zuletzt war Herzog Major der Reserve. 2003 zog er als Abgeordneter der Arbeitspartei erstmals in die Knesset ein, 2005 wurde er Bauminister, später übernahm er die Ministerien für Tourismus und für Wohlfahrt. Herzogs Ehefrau Michal ist ebenfalls Rechtsanwältin und Leiterin einer Stiftung in Israel. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder und lebt in Tel Aviv.

Herzogs Spitzname „Bougie“ soll Medienberichten zufolge übrigens von seiner Mutter stammen. Und zwar in Anlehnung an das französische Wort für Mund (Bouche) - weil er als Kind immer so eine süße Schnute gezogen habe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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