Izetbegovic erlag Herzleiden
Bosnischer Ex-Präsident gestorben

Der frühere bosnische Präsident Alija Izetbegovic ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus der Hauptstadt Sarajevo gestorben. Der einstmals führende Politiker der bosnischen Moslems sei einem Herzleiden erlegen, gab sein Ärzteteam bekannt.

HB SARAJEVO. Der frühere bosnische Präsident Alija Izetbegovic ist am Sonntag in einem Krankenhaus der Hauptstadt Sarajevo gestorben. Der 78-jährige sei einem Herzleiden erlegen, teilte sein Ärzteteam mit. Izetbegovic führte die muslimische Volksgruppe als Präsident von Bosnien-Herzegovina im Krieg 1992-95 und war 1996-2000 auch Mitglied des kollektiven Staatspräsidium Bosnien-Herzegowinas. Vor zwei Jahren zog er sich aus Gesundheitsgründen aus der Politik zurück, blieb aber bis zum Tode Ehrenvorsitzender seiner Partei der Demokratischen Aktion (SDA).

Mit seinem Tod ist der letzte der drei Führer der verfeindeten Völker des ehemaligen Jugoslawien von der politischen Bühne verschwunden. Der kroatische Präsident Franjo Tudjman starb 1999, und der ehemalige serbische und jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic muss sich seit Juni 2001 vor dem UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten.

Der im Bosanski Samac geborene Jurist und streng gläubige Muslim gründete die SDA im Mai 1990 und versammelte in ihr die bosnischen Muslime. Bei den ersten freien Wahlen, damals war Bosnien noch Teilrepublik des Föderativen Jugoslawien, wurde er als Moslemvertreter neben Serben und Kroaten in das bosnische Staatspräsidium gewählt.

Im März 1992 sprachen sich Muslime und Kroaten gegen die Stimmen der Serben für die Unabhängigkeit von Jugoslawien aus, was Serbien mit Gewalt zu verhindern suchte. Der Bosnienkrieg 1992-95 kostete mehrere hunderttausend Menschen das Leben und machte Mill. zu Flüchtlingen.

Izetbegovic unterzeichnete zusammen mit seinen Kriegsfeinden Milosevic und Tudjman im Herbst 1995 unter starkem Druck der USA und der internationalen Gemeinschaft das Bosnien-Friedensabkommen von Dayton. Es teilte Bosnien in eine muslimisch-kroatische Föderation und eine serbische Republik auf. Das Abkommen wird bis heute von der NATO-geführten Friedenstruppe SFOR mit 13 000 Soldaten, unter ihnen auch deutsche, überwacht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%