Ja zu Tsipras und zum Euro

Was denkt Griechenland?

Staatsbankrott und Grexit kommen immer näher, aber die griechische Bevölkerung steht laut einer Umfrage fest hinter ihrer Regierung. Die meisten wollen keine weiteren Zugeständnisse – und trotzdem im Euro bleiben.
20 Kommentare

Griechen fordern: Tsipras darf nicht nachgeben

DüsseldorfViele Freunde hat die griechische Regierung nicht mehr. Die chaotische Verhandlungsführung von Finanzminister Yanis Varoufakis, die leeren Versprechen von Ministerpräsident Alexis Tsipras, die ständigen Drohungen von Verteidigungsminister Panos Kammenos – viele Politiker und Bürger in Europa sind gehörig genervt von Athen. Im eigenen Land jedoch sieht es völlig anders aus: Die eigene Bevölkerung steht weiter fest hinter der Tsipras-Regierung, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Das Meinungsforschungsinstitut „Public Issue“ hat in der vergangenen Woche rund 1000 repräsentativ ausgewählte Griechen per Telefon befragt – mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Obwohl mehr als 40 Prozent der Griechen einen Staatsbankrott inzwischen für möglich halten, unterstützen sie die harte Haltung ihrer Regierung. 58 Prozent halten die Strategie und die Position der Regierung in den Verhandlungen mit der Euro-Gruppe und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für richtig. 62 Prozent wollen, dass Tsipras und Varoufakis auf keinen Fall weiter nachgeben. Außerdem fordert ein Drittel, dass über ein Reformpaket, auf das sich Griechenland mit den Geldgebern einigen könnte, auf jeden Fall in einem Referendum abgestimmt werden sollte. Während Staatsbankrott und Bankenkollaps immer näher kommen, ist die Zustimmung zur Regierung in den vergangenen Monaten sogar noch gestiegen.

Und doch will die Mehrheit der Griechen in der Euro-Zone bleiben. 63 Prozent finden, dass Griechenland vom Euro profitiert, und 65 Prozent würden in einem Referendum über einen Verbleib in der Währungsunion mit „Ja“ stimmen.

Gelöst werden soll der Streit um die Schulden nach Meinung der meisten Griechen vor allem durch einen Schuldenschnitt. 67 Prozent fordern, dass dem Land ein Teil der Staatsschulden erlassen werden. Wenn das nicht klappt, halten es inzwischen auch 22 Prozent der Griechen für eine Lösung, einfach keine Zinsen und Tilgungen mehr zu zahlen.

Auch deswegen hat Premier Tsipras, der weiterhin auf einen Schuldenschnitt besteht, hohe Zustimmungswerte: 74 Prozent der Griechen sind zufrieden mit seiner Arbeit. Anders allerdings sieht es bei Varoufakis aus. Der Ökonom hat in den vergangenen Monaten viel Vertrauen verloren, inzwischen sind nur noch 54 Prozent mit ihm zufrieden. Im Februar waren es noch 75 Prozent.

Putin ist bei den Griechen beliebt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Ja zu Tsipras und zum Euro - Was denkt Griechenland?

20 Kommentare zu "Ja zu Tsipras und zum Euro: Was denkt Griechenland?"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich geh morgen auch mal zu meiner Bank. ich würde gerne monatlich das doppelte von dem was ich verdiene ausgeben. Dafür zahle ich auch nix zurück...

    ach ja, falls die Bank nö sagt geh ich halt demonstrieren :-)

  • "das große Klagen ansetzt ... Hilfsmilliarden von noch ärmeren Euroländern fordert ... fast täglich im TV ..., wenn ein gr. Journalist oder Syriza Mitglied teilnimmt."

    Diese Gestalten - eine Ausnahme habe ich gesehen - können einem bei diesen peinlichen Auftritten nur leid tun. Persönlich kenne ich keine Griechen und kann für Griechenland nur hoffen, dass diese nicht repräsentativ für ihr Land sind.

  • @Herr Fred Meisenkaiser

    Noch wiederlicher finde ich, wenn GR sich die Besteuerung seiner Elite spart, um den kleinen Mann um so heftiger ins Maul zu langen und das große Klagen ansetzt..

    Aber absolut ekeleregend finde ich, wenn man Hilfsmilliarden von noch ärmeren Euroländern fordert . Dies können Sie fast täglich im TV bewundern, wenn ein gr. Journalist oder Syriza Mitglied teilnimmt.

    Trotzdem schönen Abend noch.

  • Varoufakis fährt ohne Helm Motorrad.....genau so macht er auch Politik für sein Land....

  • "Sie wollen im Euro bleiben, sie wollen nicht nachgeben, nicht sparen, sie wollen den gewohnten Lebensstandard beibehalten, für den andere aufkommen sollen...bablabla...."

    Nein sie wollen den Lebenssandard aus Verelendung und Verarmung eben nicht mehr beibehalten - deswegen haben sie im Januar SYRIZA gewählt. Und das Duo Tsipras und Varoufakis kommt seinem Wählearauftrag auch voll nach! Egal ob das den Eurokraten in Brüssel, unserer Mutti bzw. Herrn Schäuble passt oder nicht!

  • Die Umfrage ist ungefähr so intelligent wie eine, die die deutschen Arbeitnehmer fragt, ob sie es gut fänden, 20% mehr Lohn zu erhalten, wenn dafür gleichzeitig 20% weniger gearbeitet werden muss.

    Was bitteschön soll an dieser Schwachsinns-Umfrage also bitte erhellend sein? Natürlich will man das eine (den Euro) haben, ohne das andere (über seine Verhältnisse zu leben) zu lassen.

    Mehr Niveau bitte.

  • Es ist gut, dass solche Umfragen zeigen, was Deutschland von seinen "guten Freunden" zu halten hat. Wenn die Griechen könnten, würden sie wahrscheinlich auch einmarschieren und uns zu Fronarbeit zwingen.

  • Sie wollen im Euro bleiben, sie wollen nicht nachgeben, nicht sparen, sie wollen den gewohnten Lebensstandard beibehalten, für den andere aufkommen sollen, weil sie diesen nicht selbst erwirtschaften können.
    Anscheinend gibt es nicht nur einzelne Menschen, sondern offensichtlich ganze Völker, die auf einer kindlichen Entwicklungsstufe stehen geblieben sind.

  • Nun ich lebe in einem Land in dem die direkte Demokratie einen hohen Stellenwert hat. Die Steuern sind etwa 1/2 der Deutschen.

    Ich meine dass die Völker häufig recht gut wissen was sie tun. Die Griechen haben Politiker gewählt die es durch ihr Verhandlungsgeschick geschafft haben der EZB und den dummen Gänsen (IWF und D) Milliarde um Milliarde abzunehmen. Damit konnte die Bevölkerung ihre Ersparnisse komplett vom € - Bankensystem abkoppeln. Und das Spiel geht weiter....

  • Das Ende der EU wäre das nicht, wenn auch andere Länder den Euro verließen.
    Abe vielleicht bekämen wir danach wieder die Europ. Union-EWG zurück, die wir mal hatten
    Der Euro muß lt. Merkel aber bleiben, denn man will ja den Zentralstaat Europa.
    Man will aus Europa eine Diktatur machen

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%