Jackson Hole
Von Bernanke wird das Unmögliche erwartet

Angesichts der Finanzkrise erwarten Investoren die Rede des US-Notenbankchef beim Bankertreffen in Jackson Hole mit haushohen Erwartungen. Sie hoffen auf ein weiteres Stimuluspaket - doch sie könnten enttäuscht werden.
  • 5

DüsseldorfLangsames Wirtschaftswachstum in den USA, eine sich ausweitende Schuldenkrise in Europa und mehrere Kursstürze an den Aktienmärkten - angesichts der angespannten Lage steigt der Druck auf Ben Bernanke. Investoren fordern ein neues Stimuluspaket von dem Chef der US-Notenbank und blicken gespannt auf Bernankes Rede, die er am Freitag beim Treffen der führenden Notenbanker in Jackson Hole halten wird.

Seit Tagen diskutieren Investoren und Ökonomen über ein neues Aufkaufprogramm für US-Staatsanleihen, das sogenannte Quantitative Easing oder kurz QE 3, da dies bereits die dritte Runde einer quantitativen Lockerung wäre. Die Hoffnung darauf, dass Bernanke die Geldpresse erneut anwerfen könnte, hat den US-Aktienmärkten zum Wochenbeginn bereits Auftrieb gegeben und den Dollar leicht geschwächt. "Die Märkte senden ein Signal an Bernanke und sagen: ‚Wir wollen QE 3 und wir wollen es diese Woche.' Die Aktienmärkte sind süchtig nach QE", sagte Keith Springer, Gründer des Finanzberaters Springer Financial Advisory dem Fernsehsender CNBC.

Bei der hochkarätig besetzten Tagung im vergangenen Jahr hatte Bernanke die zweite Runde QE angedeutet und damit die Märkte beflügelt. Doch Ökonomen warnen: Die Hoffnungen könnten dieses Mal enttäuscht werden, die Märkte einbrechen.

"Jetzt ist weder die richtige Zeit noch der richtige Ort für eine weitreichende Änderung in der Politik der Fed", schreibt Michael Hanson, Ökonom von Bank of America Merrill Lynch in einem aktuellen Bericht. Die Fed hatte erst vor wenigen Wochen ihren Ausblick für die US-Wirtschaft nach unten korrigiert und angekündigt, noch bis Mitte 2013 an der Nullzinspolitik festzuhalten.

Seite 1:

Von Bernanke wird das Unmögliche erwartet

Seite 2:

Der Instrumentenkasten leert sich

Kommentare zu " Jackson Hole: Von Bernanke wird das Unmögliche erwartet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Republikaner haben verhindert, daß die Reichen in USA stärker zur Kasse gebeten werden und Reiche bis Superreiche gibt es dort en masse. So konnte heute auch Buffet mit 5 MRD in die Bank of Amerka einsteigen, er hatte Geld herumliegen und hat dort schnell mal investiert, zu lukrativen Bedingungen übrigens.

    In allen Staaten tut sich die Schere zwischen großem Reichtum und großer Armut immer mehr auf. Die Proteste jüngst in Israel opponierten im Wesentlichen gegen den Raubtierkapitalismus. DAS IST NEU! Vielleicht kann das Schule machen.
    Selbst Italien hat nun eine Sondersteuer für Reiche im Plan und in Frankreich haben sich die Reichen gemeldet, freiwillig eine solche Steuer zu zahlen. Besser so, als auf eine Währungsreform zusteuern.

    Das Großkapital, das immer größer wird, auch durch ihre Einflüsse in der Politik, hat uns in die Misere geführt. Nun sollte es auch masiv an der Rückführung beteiligt werden. Sonst brennt die ganze Welt.

    Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini warnte heute, die hohen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe deuteten möglicherweise auf einen starken Stellenabbau im großen
    Arbeitsmarkt-Bericht für August am kommenden Freitag hin. "Das würde die Rezessionsgefahr erhöhen", so ein Händler.

    Roubini: Gold ist die neue Sub-Prime-Spekulationsblase, nur dass sie statt 5-10 mit einem Faktor von 25-40 gehebelt ist.

    Übrigens: Moody's senkt das Kreditrating für die Landesbank Baden Württemberg von "C-" auf "D+".
    Ist das nicht das Rating von Griehenland? Wer rettet die denn nun?

    Gute Nacht

  • USA muß endlich lernen, mehr zu produzieren, was die Welt braucht. Weil das eben so nicht ist, ist auch seit Jahren das Handelsbilanzdefizit stetig gestiegen.
    Was wurde gemacht, um immer noch mehr Profit zu schaffen, es wurden die Leute auf die Straße entlassen, ganze Industriezweige sind dabei erloschen und der Börsenkurs der jeweiligen Firma stieg, wenn Personal eingespart wurde. Statt dessen wurden Billigprodukte aus anderen Länder eingeführt und Arbeitsplätze ausgesourced. So ruiniert man die eigene Wirtschaft.
    Ähnliches ist in England abgelaufen nach Thatcher, in USA nach Regan.
    Die Steuern für Reiche wurden ständig gesenkt, der Finanzmarkt angekurbelt und alles eingesetzt, was Mathematiker sich nur ausdenken konnten an Derivate-Produkten. Das führte in die Blase, die zuletzt in der Finanzkrise endete. die Welt erschütterte.

    Jetzt stehen wir vor der Verschuldungskrise und niemand weiß so recht, wie man dabei möglichst schonend herauskommen kann. Gewiss nicht, mit noch mehr Schuldenmacherei. Die USA hat ja den Vorteil, daß sie ihr eigenes Geld per Drucker vermehren können, das geht aber auch nicht mehr.
    Durch Sparen wird es einen Wirtschaftsabschwung geben. Aber vielleicht muß man den hinnehmen für eine gewisse Zeit, das hat es immer wieder gegeben, dabei aber nicht noch mehr Leute auf die Strasse schicken, sondern sich auf Qualität, nicht Quantität besinnen. Die Zeiten des lockeren Geldes seit Greenspan haben nur immer mehr Unheil gebracht.
    Man denke an die große Krise, die Japan durchgemacht hat, über 10 Jahre haben sie damit herumgekrebst.Aber sie sind wie wir Exportweltmeister geworden, allerdings hat Japan eine Verschuldung von 200% des BIPs.

  • Rick Perry, Republikaner und Gouverneur hat vor kurzem in einer in der US-Presse viel beachteten und heiß diskutierten Rede Bernanke eindringlich gewarnt, noch mehr Dollars zu drucken und QE3 indirekt als Hochverrat bezeichnet.

    Und China legt den USA in diesem Punkt sowieso die Daumenschrauben an und da sind sie auch gewiss nicht mehr alleine.

    Ich halte es vor diesem Hintergrund für nahezu ausgeschlossen, dass die Fed QE3 bringen kann. Davon abgesehen würde es den USA nicht helfen. Das bringt die US-Wirtschaft nicht in Schwung, sondern nur das Casino.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%