Jacob Zuma
Der Sonnenkönig von Nkandla

Steuergelder fürs Privathaus, Korruptionsvorwürfe: Südafrikas Präsident Jacob Zuma steht erneut im Zentrum eines Skandals. Bald wird gewählt – doch Zuma scheint davonzukommen. Wieder einmal.
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KapstadtDer Mann ist offenbar  in seinem Element: Mit offenem Hemdkragen und einem breiten Grinsen im Gesicht schwingt Jacob Zuma, umgeben von ein paar leicht bekleideten Tänzerinnen, kräftig die Hüften zur Musik. Wenig später noch eine kurze Rede: Klar gäbe es wirtschaftlich ein paar Herausforderungen, und auch parteiintern gelegentlich etwas Zwist – wie in jeder Demokratie. Aber von einer Krise will der 71-Jährige nichts wissen. Davon sprächen immer nur die, die alles schlecht reden wollten. Sein Land sei auf dem richtigen Weg.

Jakob Zuma steckt mitten im Wahlkampf: Am 7. Mai werden die Menschen am Kap einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament bestimmen – genau 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid und den ersten freien Wahlen, die Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes machten. Nun ist Zuma Spitzenkandidat des seitdem ununterbrochen regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), dessen Sieg auch diesmal schon deshalb garantiert ist, weil die frühere Widerstandsbewegung noch immer von der Aura des Befreiers, aber auch vom großen Namen des südafrikanischen Gründervaters zehrt.  

Nichts deutet bei Zumas Auftritten in diesen Tagen darauf hin, dass die südafrikanische Ombudsfrau Thuli Madonsela gerade erst einen 400 Seiten langen Untersuchungsbericht vorgelegt hat, der Zuma noch schwer in Bedrängnis bringen und ihm womöglich sogar die Präsidentschaft kosten könnte. In dem Bericht wird minutiös belegt, dass Zuma und seine weitläufige Familie, darunter vier Ehefrauen, beim Ausbau seines Privatanwesens auf „unethische“ Weise massiv von Steuergeldern profitiert haben: Sagenhafte 246 Millionen Rand (17 Millionen Euro) sind dem Bericht zufolge in den letzten fünf Jahren illegal in die Residenz des Präsidenten in dem kleinen Zuludorf Nkandla geflossen, während drum herum 14.000 Menschen in bitterster Armut leben.

Aus dem früheren Wohnhaus Zumas sind seit 2009 viele neue Häuser für seine Verwandtschaft und das Sicherheitspersonal geworden. Und der ehemalige Kraal ist zu einem gigantischen Sicherheitstrakt mit Bunkern, Fluchtlichtmasten, Hochsicherheitszäunen und Hubschrauberlandeplatz mutiert.

Merkwürdig nur, dass in Nkandla auch ein Rinderstall, ein Hühnerverschlag, ein Amphitheater und ein Besucherzentrum mit Kiosk als sicherheitsrelevant gelten. In dem Versuch, die völlig aus dem Ruder gelaufenen Kosten irgendwie zu rechtfertigen, wurde der neue Swimming Pool von der Polizeichefin  prompt zum „Feuerlöschteich“ umbenannt. Gerade diese abstrusen Erklärungsversuche haben viele Menschen am Kap aber nur noch mehr empört.

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