Jacob Zuma neuer ANC-Vorsitzender in Südafrika
Umstrittener „Mann des Volkes“

Seine Anhänger sehen in ihm einen charismatischen Politiker, der dem Volk eng verbunden ist. Kritiker dagegen führen diverse Prozesse gegen ihn an und befürchten eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik, die ausländische Investoren abschrecken könnte: Jacob Zuma ist der umstrittenste Politiker Südafrikas – und dennoch auf dem besten Weg, der nächste Präsident des Landes zu werden.

HB JOHANNESBURG. Der 65-Jährige vom Stamm der Zulu hat sich im Rennen um den Vorsitz des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) durchgesetzt. Der amtierende ANC-Chef, Präsident Thabo Mbeki, unterlag beim Parteitag in Polokwane in der Abstimmung über den Spitzenposten bei der Partei. Wegen der Dominanz des ANC in der Parteienlandschaft dürfte demjenigen die Wahl zum Präsidenten des Landes so gut wie sicher sein, der künftig an der ANC-Spitze steht – Zuma dürfte damit wahrscheinlich 2009 die größte Volkswirtschaft Afrikas führen.

Zuma sieht sich gerne als „Mann des Volkes“. Er wird von den einflussreichen Gewerkschaften sowie der ANC-Frauenliga unterstützt und auch innerhalb seiner Partei erhoffen sich viele, dass er die Not von Mill. armen Südafrikanern lindern kann, von denen ein großer Teil noch immer in slumähnlichen Vorstädten, den Townships, lebt. Wie Nelson Mandela war Zuma jahrelang auf Robben Island inhaftiert, weil er gegen das weiße Apartheid-Regime gekämpft hatte. Nach zehnjähriger Haft ging er ins Exil. Anfang der 90er Jahre verschaffte ihm ein Verhandlungserfolg zwischen dem ANC und der von Zulus dominierten Inkatha Freiheitspartei Respekt – ein drohender Bürgerkrieg wurde abgewendet.

Zuletzt nahm das Image des Politikers jedoch Schaden. So soll Zuma in einen Bestechungsskandal verwickelt gewesen sein, bei dem Gelder von einer Rüstungsfirma flossen. Das kostete Zuma 2005 das Amt des Vizepräsidenten. Die Anklage wurde später zwar wegen Verfahrensfehlern fallengelassen. Doch weil jüngst neue Beweise auftauchten, droht eine Neuauflage des Prozesses. Schlagzeilen machte auch das Gerichtsverfahren, in dem sich Zuma wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs verantworten musste – weniger der Freispruch erregte Aufmerksamkeit als die sonderbaren Äußerungen des Politikers zu HIV und Aids: Vor Gericht gab der Politiker zu, ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der infizierten Frau gehabt zu haben. Allerdings habe er gleich danach geduscht, was das Ansteckungsrisiko seiner Meinung nach verringere.

Die Gerichtsverfahren haben den Gegnern Zumas Munition geliefert, während seine Anhänger von einer Kampagne gegen ihn sprachen. Doch auch Zumas politische Ausrichtung lässt manche fürchten. Vor allem im Mbeki-Lager grassiert die Angst, dass Zuma eine linke Wirtschaftspolitik nach dem Vorbild von Hugo Chavez in Venezuela verfolgen könnte. Investoren haben bereits aufgehorcht. Grund genug für Zuma, zuletzt bei zahlreichen Treffen mit Wirtschaftsvertretern zu versichern, dass es keine entscheidenden Änderungen geben werde.

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