Jacques Delors
Kämpfer für Europas Einigung

Es gibt nur drei Staatsmänner, die sich „Ehrenbürger Europas“ nennen dürfen. Neben Altkanzler Helmut Kohl und Jean Monnet, dem politischen Architekten der Montanunion, gehört seit Ende Juni auch Jacques Delors dazu.
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BerlinDie Auszeichnung war so etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für den Franzosen, der am Montag 90 Jahre alt wurde.

Altersmilde kennt der langjährige Chef der Brüsseler Kommission nicht. Wenn er die europäische Einigung, die ihm Herzensangelegenheit ist, bedroht sieht, dann mischt sich der Sozialist ein. Erst vor wenigen Tagen mahnte er mit Pascal Lamy und Antonio Vitorino im Handelsblatt alle Akteure in der Griechenland-Krise, ihre „taktischen Spiele“ zu beenden: „Wir alle müssen jetzt begreifen, was für Griechenland und Europa auf dem Spiel steht.“

Delors will nicht kaputt machen lassen, was er mit aufgebaut hat. Zehn Jahre stand er ab 1985 erst an der Spitze der EG- und dann der EU-Kommission. Unter seiner Ägide wurde der Binnenmarkt vollendet, er bereitete mit dem Vertrag von Maastricht die Osterweiterung vor und legte mit dem „Delors-Bericht“ den Grundstein für die Währungsunion.

Die späteren Konstruktionsfehler, die das gemeinsame Haus an den Rand des Zusammenbruchs brachten, hat der frühere französische Superminister schon früh gesehen. Bis heute mahnt er unablässig, dass eine Währungsunion ohne Wirtschaftsunion nicht funktionieren kann.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat die Idee einer Euro-Zonen-Regierung nun wieder auf die Agenda gesetzt. Europas Staatenlenker beriefen sich heute gerne auf Delors, schrieb eine französische Regionalzeitung.

Aber leider gebe es in der aktiven Politik keine Persönlichkeit wie ihn mehr, die solche Ambitionen auch tragen könnte.

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