In der Vergangenheit schaute man da allerdings nicht so genau hinein. So galt das Fürstentum lange als Geldwaschmaschine der italienischen Mafia. Im Jahr 2000 erhoben zwei französische Parlamentsabgeordnete Anklage wegen zu lascher Gesetze – und zwangen damit die Verantwortlichen zum Handeln. „Moral, Ehrlichkeit und Ethik“ sollen nun die Leitlinien des wirtschaftlichen Handelns sein, versprach Fürst Albert, als er im Juli 2005 den Thron bestieg. Heute müssen in Monaco nicht nur Banken, sondern auch Immobilienmakler und Rechtsanwälte verdächtige Zahlungsströme melden.
In Sachen Steuerkooperation ist das Fürstentum dagegen kein Musterschüler. „Es gibt nicht mal einen vernünftigen Dialog“, schimpft OECD-Mann Saint-Amans – und hat auch eine simple Erklärung dafür, warum es leichter ist, gegen Geldwäsche vorzugehen als gegen Steueroasen: „Die Steuerparadiese haben sehr schnell verstanden, dass sie sich im Kampf gegen Geldwäsche bewegen müssen, um ihre Geschäfte fortsetzen zu können“, analysiert der OECD-Experte. Der politische Druck bei Steuerbetrug sei ungleich kleiner.
OECD-Kenner haben außerdem noch einen weiteren Grund ausgemacht für dieses Ungleichgewicht. Leute wie Saint-Amans würden in der Organisation ausgebremst. „Wie soll die OECD glaubhaft für mehr Informationsaustausch eintreten, wenn selbst ihre Mitgliedstaaten wie Luxemburg und die Schweiz sich nicht daran halten“, klagt ein Insider.
Monacos Finanzminister hingegen sieht sich zu Unrecht auf der Anklagebank. „Wir wenden die EU-Zinsrichtlinie auf das Komma genau an“, sagt er. Allerdings gibt Monaco wie Luxemburg oder die Schweiz keinerlei Informationen an die Steuerbehörden anderer Länder heraus, sondern führt eine Quellensteuer anonym auf Zinserträge ab. „Wir sind bereit, uns zu bewegen, wenn andere Länder wie Luxemburg oder die Schweiz es tun“, meint Tonelli. „Wir sind zu klein, um den Musterschüler zu geben“, fügt er entschuldigend an.
In Sachen Steueroasen gilt das Mikadoprinzip: Wer sich zuerst bewegt, verliert.
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Bei der FATF heißt das Spiel dagegen „Hau den Lukas“. Die politische Durchschlagskraft der Organisation ist groß, denn die FATF hat etwa mit den Vereinigen Staaten ein Mitglied in ihren Reihen, das mit mächtig Druck für saubere Praktiken sorgt. Rund 20 Jahre nach Gründung der FATF ist deren Liste der „nicht kooperativen Staaten“ leer.
Daniel Glazer arbeitet als Top-Beamter im US-Finanzministerium und leitet die FATF-Delegation bei einer Plenumssitzung in Paris. Die Konferenz dauert nun schon vier Tage, das ist Glazer anzusehen – die Augen rot, sein rundliches Gesicht scheint seit Konferenzbeginn keinen Kontakt mit einem Rasierapparat gehabt zu haben.
„Die USA bevorzugen, innerhalb der FATF gegen Geldwäsche vorzugehen, denn so ist es eine internationale Initiative und keine isolierte US-Aktion“, sagt er. „Die FATF kann im Zweifelsfall zielgerichtete Maßnahmen empfehlen“, sagt er außerdem – und deutet damit indirekt die Machtfülle der Organisation an.
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