Jagd auf Snowden
Lateinamerika schäumt über Zwangslandung in Europa

Brennende Flaggen, Botschafter-Ausweisung, Uno-Beschwerde: Nachdem das Flugzeug des bolivarischen Präsidenten in Europa gestoppt wurde, belastet die Suche nach Snowden das Verhältnis zwischen Lateinamerika und Europa.
  • 24

La PazDie Saga um den flüchtigen früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist um eine diplomatische Krise reicher: Mehrere lateinamerikanische Staaten empörten sich am Mittwoch darüber, dass die aus Moskau kommende Maschine von Boliviens Präsident Evo Morales in Wien einen Zwangsstopp einlegen musste. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, dass Snowden an Bord des Flugzeugs sei.

Morales befand sich auf dem Heimflug von einer Konferenz in der russischen Hauptstadt, als mehrere EU-Staaten der Maschine in der Nacht zum Mittwoch die Überflugrechte verweigerten. Morales wurde zu einem Zwischenstopp in Wien gezwungen, wo er 13 Stunden festsaß. Später legte das Präsidentenflugzeug dann aus technischen Gründen eine Zwischenlandung auf der spanischen Insel Gran Canaria ein.

Boliviens Außenminister David Choquehuanca nannte das Gerücht über Snowdens Mitreise eine "enorme Lüge". Der IT-Spezialist wird von den USA wegen Spionage gesucht, weil er Informationen über die Spähprogramme der US-Geheimdienste publik gemacht hat. Seit mehr als einer Woche soll er auf dem Moskauer Flughafen festsitzen.

Bolivien ist eines der etwa 20 Länder, in denen sich Snowden um Asyl bemüht. Washington sei offensichtlich davon ausgegangen, dass Snowden im Flugzeug des bolivianischen Präsidenten von Moskau nach Südamerika fliege, sagte Choquehuanca am Mittwoch. „Die USA haben uns in einem Schreiben um die Auslieferung Edward Snowdens gebeten, für den Fall, dass er sich auf bolivianischem Gebiet aufhalte.“ Bolivien habe mitgeteilt, dass Snowden nicht an Bord des Flugzeugs war.

Boliviens Vizepräsident Álvaro García erklärte, Morales sei von "imperialistischen Kräften" in Europa "entführt" worden. In der Hauptstadt La Paz protestierten dutzende Menschen vor der französischen Botschaft gegen die Überflug-Verweigerung. Die Demonstranten warfen Steine und verbrannten französische Flaggen.

Das Parlament in La Paz bereitete eine Initiative zur Ausweisung der Botschafter Frankreichs, Portugals und Italiens vor. Auch Spanien zählt nach bolivianischen Angaben zu den EU-Staaten, die den Überflug von Morales' Flugzeug blockiert hatten.

Mehrere regionale Verbündete Boliviens stimmten in die Empörung ein. Lateinamerika könne "so viel Missbrauch" nicht erdulden, erklärte Ecuadors Präsident Rafael Correa. Venezuelas Außenminister Elías Jaua sprach von einer "Attacke auf das Leben von Präsident Morales". Das kubanische Außenministerium kritisierte Europa für den "nicht akzeptablen, unbegründeten und willkürlichen Akt".

Seite 1:

Lateinamerika schäumt über Zwangslandung in Europa

Seite 2:

Fall Snowden belastet auch das Verhältnis zwischen Europa und USA

Kommentare zu " Jagd auf Snowden: Lateinamerika schäumt über Zwangslandung in Europa"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Kritiker
    Ich schliesse mich an! Das sollte jedem deutschen Staatsbürger spätestens bei der Einschulung bewußt gemacht werden.

  • Boliviens Präsident Evo Morales ein Menschenschmuggler?? Was erlauben sich Barack!! ;)

  • Danke Rheingold, Danke und nochmals Danke, daß Sie es auf den Punkt gebracht haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%