Jahreskonferenz des Wirtschaftsverbandes CBI
Labour pflegt die Wirtschaft

Auch wenn die Mehrheit der Briten das Ende der Ära Tony Blair begrüßt – in der Wirtschaft hat der scheidende Premier noch immer einen guten Stand. Anhaltender Applaus belohnte den letzten Auftritt Blairs auf einer Jahreskonferenz der Wirtschafts-Dachverbandes CBI in London. Die Kritik trifft eher die konservative Opposition.

LONDON. Ein gemeinsam mit Blairs Schatzkanzler und designierten Nachfolger Gordon Brown veröffentlichtes Papier über die Herausforderungen der britischen Wirtschaftspolitik kam als Signal der Kontinuität an.

Der konservative Herausforderer David Cameron schoss hingegen ein Eigentor: Kurzfristig sagte er seinen Auftritt ab und reiste lieber zu den britischen Truppen in den Irak. Viele Delegierte verstanden das als Affront, wie Gespräche in den Gängen des Konferenzzentrums zeigten. CBI-Präsident John Sunderland verwies auf den vergleichsweise spärlichen Beifall, den der konservative Schatten-Schatzkanzler George Osborne als Camerons Vertreter bekam und sprach von einer verpassten Chance, „die Unsicherheiten über seine Position zu einer Reihe wichtiger wirtschaftlicher Fragen“ zu beseitigen.

Unsicherheit ist im Moment ohnehin so etwas wie ein Leitmotiv in der britischen Wirtschaft. Seit 14 Jahren wächst die Ökonomie auf der Insel, unbeeindruckt von zwischenzeitlichen Schwächeanfällen in Kontinentaleuropa. Das Finanzzentrum London, der private Konsum, aber auch massive öffentliche Ausgaben unter Blairs Ägide haben den Boom getrieben. Doch nun mehren sich die warnenden Stimmen. Steigende Arbeitslosenzahlen haben zuletzt auch den CBI veranlasst, eine stärkere Steuerung der Einwanderung aus Osteuropa zu fordern. Die wirtschaftlichen Reformen auf dem Kontinent lassen die Steuersätze in Großbritannien nicht mehr so attraktiv erscheinen. Immer mehr Experten warnen, dass der Immobilien-Boom nicht mehr lange halten könne. Und noch dazu wird deutlich, dass das Land in den guten Jahren zu wenig in seine Verkehrs- und Energie-Infrastruktur gesteckt hat.

80 Prozent der Konferenzteilnehmer, so ergab eine elektronische Umfrage, fürchten denn auch, dass Großbritannien nicht ausreichend für den neuen Wettbewerb aus China und Indien gerüstet ist. Die Finanzmetropole London zählt zwar zu den Profiteuren der Globalisierung, doch weniger als fünf Prozent der britischen Exporte gehen in die beiden aufstrebenden Milliardenländer.

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