Jahrestag 11. September
Terror prägt neue globale Agenda

Die Anschläge vom 11. September 2001 brachten die Welt kurzzeitig zu Stillstand. Als die Anschläge geschahen, waren die USA gerade dabei, sich wieder sich selbst zu- und von der Welt ein Stück weit abzuwenden. Eine Bestandsaufnahme nach fünf Jahren.

WASHINGTON. Als die Anschläge geschahen, waren die USA gerade dabei, sich wieder sich selbst zu- und von der Welt ein Stück weit abzuwenden. Einige Monate zuvor, im November 2000, war ein Mann zum neuen Präsidenten bestimmt worden, der mit einer innenpolitischen Agenda geworben hatte. Doch der 11. September 2001 kehrte George W. Bushs Prioritäten um und zerrte ihn und die USA zurück in die Außenpolitik. Eine Außenpolitik allerdings, die die neue Administration auch weiterhin entlang der unilateralen Wahlkampfagenda führte.

Für den Rest der Welt hatte dies so nachhaltige Folgen wie möglicherweise kein anderes Ereignis seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Zwei Kriege und eine anhaltende Terrorwelle, die zusammen mehrere zehntausend Menschenleben gefordert haben, sorgen bis heute dafür, dass sich die Messlatten politischen und ökonomischen Handelns gründlich verschoben haben. Zwei Beispiele illustrieren dies: der Streit über den Verkauf amerikanischer Häfen an Investoren aus dem arabischen Dubai und die Kontroverse über die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung. Die Reaktionen in beiden Fällen wären ohne den 11. September nicht denkbar: weder, dass eine ökonomisch sinnvolle Entscheidung schlichtweg auf Grund der Herkunft des Investors zu Fall gebracht worden wäre, noch, dass eine im Grunde harmlose politische Satire weltweit Massenproteste hätte auslösen können.

„Nach fünf Jahren ist klar, dass der 11. September eine neue Dynamik in Gang gesetzt hat, die sich vor allem um das Verhältnis Staat und Religion dreht“, analysiert Peter Singer vom Washingtoner Think-Tank Brookings. Dabei stünden sich die dominierende amerikanische Supermacht und die am schnellsten wachsende Glaubensgemeinschaft, die Muslime, in tiefem Argwohn, Misstrauen und Verärgerung gegenüber. Diese Standortbestimmung trifft aber nicht nur auf die USA zu. Sie gilt auch für andere Länder, ob es sich dabei um Großbritannien, Spanien oder auch Deutschland handelt. Wo auch immer die nationale Sicherheit erhöht wird, geht es nahezu ausschließlich um die Abwehr islamistischer Bedrohungen.

Die Politik, insbesondere die amerikanische, hat auf der ideologischen Ebene aber noch keine passende Antwort auf die Herausforderung gefunden. Die Demokratisierungsversuche im Mittleren Osten sind über Ansätze nicht hinausgekommen. Und: „Wir müssen endlich die Metapher vom Kampf gegen den Terrorismus aufgeben“, fordert Richard N. Haass, einst enger Berater des früheren US-Außenministers Colin Powell und heute Präsident des Council on Foreign Relations. „Kriege haben einen Anfang und ein Ende“, sagt der frühere Chef des Planungsstabes im State Department. Doch gelte dies nicht für die aktuelle Konfrontation. „Der Terrorismus ist Teil unseres alltäglichen Lebens geworden.“ Aber er könne nicht alleine mit Waffen besiegt werden.

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