Jahrestag
„Klima der Angst“ in Tibet

Gespannte Ruhe in Tibet: Vor dem 50. Jahrestag des Aufstandes hat Chinas Regierung zur Errichtung einer „Großen Mauer der Stabilität“ in der Himalaya-Region aufgerufen. Die Einheit des Mutterlandes müsse geschützt werden, sagte Präsident Hu Jintao. Gleichzeitig wurden die Sicherheitskräfte entlang der Grenzen verstärkt.

HB PEKING. Am Dienstag jährt sich zum 50. Mal der Aufstand der Tibeter gegen die chinesische Herrschaft und die Flucht des Dalai Lama. Zudem ist am Samstag der erste Jahrestag von Aufständen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa, bei denen zahlreiche Menschen getötet wurden. In den vergangenen Tagen haben die chinesischen Behörden vor Ort wiederholt erklärt, sie rechneten nicht mit Gewalt. „So wie ich es verstehe, ist die tibetische Gesellschaft inzwischen äußerst stabil“, sagte Kang Jinzhong, Kommissar der Kommunistischen Partei bei der Polizei in Tibet.

Exil-Tibeter sehen einen anderen Grund für die Ruhe in der Region. „Bis heute gibt es ein intensives Klima der Angst in Lhasa“, sagte Kate Saunders von dem International Campaign for Tibet. Seit dem Aufstand vor einem Jahr würden immer noch mehr als 1200 Menschen vermisst. Chinesische Behörden sprechen von etwa 950 Festgenommenen, von denen 76 verurteilt worden seien. Berichte von Oppositionsgruppen über mehr als 200 getötete Tibeter weist China zurück. Bei dem Aufstand vor einem Jahr wurden 19 Menschen getötet, als aufgebrachte Menschenmengen Geschäfte von Han-Chinesen und Hui-Muslimen plünderten.

China grenzt über Tibet an Indien, Nepal, Bhutan und Birma. Seit Jahren besuchen Tibeter diese Staaten, einige mit offizieller Zustimmung, andere um in buddhistischen Klöstern zu studieren, die von Mönchen im Exil geleitet werden. Der bekannteste tibetische Geistliche im Ausland ist der Dalai Lama, der nach dem Aufstand vor 50 Jahren floh. China wirft dem 73-jährigen Friedensnobelpreisträger vor, er strebe nach der Errichtung eines unabhängigen Groß-Tibets auf einem Viertel des chinesischen Territoriums. Der Dalai Lama selbst hat sich wiederholt für größere Autonomie für Tibet, nicht aber für dessen Unabhängigkeit ausgesprochen.

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