Jamaika
Reggae, Rasta und Randale

„No woman, no cry“ – nein, mit Angela Merkels Wahldebakel und möglichen Sehnsüchten nach der Katerstimmung im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin hat der Song nichts zu tun.

KINGSTON. Bob Marleys Hits tönen in Jamaika landauf, landab auch ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des karibischen Superstars bassstark aus allen Lautsprechern zwischen Montego und Kingston. Reggae, Rasta, Rum und Bob Marley sind die Exportschlager des Tropenparadieses in den Antillen mit der schwarz-gelb-grünen Landesflagge, die für so viel politische Phantasie in Deutschland sorgt.

Paradies? Äußerlich schon. Weiße Traumstrände, türkisfarbenes Wasser, tiefblauer Himmel, tropische Regenwälder, Luxushotels und immer wieder malerische Sonnenuntergänge erzeugen Fernweh. Doch die Idylle kann das Bild eines anderen Jamaikas nicht verdrängen: einer Insel, die unter den aus Kolonialzeiten stammenden sozialen Verwerfungen leidet, einer Insel voller Drogen und Gewalt.

Nach Einbruch der Dunkelheit, so warnt das Auswärtige Amt, solle man sich besser nicht allein außerhalb der Hotels bewegen. Einen „Cocktail aus Chaos und Ruhe“ biete die Perle der Karibik, schrieb die „Financial Times“ einmal. Amerikaner lassen sich davon gerne betören. Sie stellen 70 Prozent der 2,5 Millionen Touristen, aus Deutschland reist wenig mehr als ein Prozent an.

Jamaika ist eine am englischen Vorbild orientierte Demokratie, Mitglied des britischen Commonwealth mit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt und drittgrößte Insel der Antillen. Als erster Europäer setzte Christoph Kolumbus 1494 seinen Fuß auf die Insel. 1509 nahmen die Spanier sie in Besitz, 1670 ging sie offiziell in britische Hände über. Sklavenhandel, Freibeutertum und Zuckerplantagen machten Ruf und Ruhm Jamaikas aus, sein Rum ist auch heute noch legendär.

Regiert wird die Insel seit 1992 von der konservativen Nationalen Volkspartei (PNP), die im Jahr 2002 zum vierten Mal in Folge die Wahlen für sich entscheiden konnte. Regierungschef ist der heute 71-jährige Percival James Petterson, der schon mal damit kokettierte, dass seine Initialien „PJ“ auch für „Protect Jamaica“ stehen. Doch Schutz ist den Menschen des Inselstaates so richtig eigentlich nie zuteil geworden. In einer „exzessiven Gewaltkriminalität“, der im letzten Jahr 1300 Menschen zum Opfer fielen, zeigen sich die Schattenseiten auf dem Ferieneiland, auf dem sich neben vielen Stars auch die britische Monarchin gerne erholte.

Die Spannungen gehen auf die nicht bewältigte soziale Integration von reicher Oberschicht, die schon in Kolonialzeiten zu Wohlstand gelangte, Zuwanderern und der überwiegend in Armut lebenden schwarzen Bevölkerungsmehrheit zurück. Die Nachfahren der aus Westafrika verschleppten Sklaven stellen die Mehrzahl der Einwohner, dazu kommen Inder, die neben dem Curry auch das Marihuana mitbrachten, Franzosen und Briten.

Trotz der Einnahmen aus dem Tourismus gehört Jamaika zu den am höchsten verschuldeten Staaten der Welt. Immer wieder haben Unruhen das Land seit der Unabhängigkeit 1962 erschüttert. Korrupte Regierungen, ein fehlendes Sozialsystem und eine hohe Arbeitslosigkeit, die bei 25 Prozent liegt, belasteten die Wirtschaftsbilanz. Dennoch verzeichnete Jamaika zuletzt 1,9 Prozent Wachstum – immerhin mehr, als Deutschland zu bieten hat.

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