Jan-Philipp Albrecht Das ist der Vater der DSGVO

Der Grünen-Europaabgeordnete Jan-Philipp Albrecht hat den Datenschutz in der EU durchgesetzt. Nun verlässt er Brüssel und wird Minister in Kiel.
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Der Jurist schrieb seine Masterarbeit über europäischen Datenschutz. Quelle: picture alliance / Markus Scholz
Jan-Philipp Albrecht

Der Jurist schrieb seine Masterarbeit über europäischen Datenschutz.

(Foto: picture alliance / Markus Scholz)

BrüsselNach neun Jahren im Europaparlament erlebt Jan-Philipp Albrecht immer noch Überraschungen – und die sind leider nicht immer angenehm. Das Treffen mit Mark Zuckerberg vor einer Woche gehört in diese Kategorie. Albrecht musste miterleben, wie sich die gesamte Führung der EU-Volksvertretung vom Facebook-Gründer vorführen ließ.

„Es war sehr schrecklich“, sagt der 35-jährige Albrecht. „Eigentlich wollten wir ja auch gar nicht hingehen“, fügt er hinzu. Dass sein Fraktionschef Philippe Lamberts und er es schließlich doch taten, sei ein schwerer Fehler gewesen.

Die Selbstkritik kommt aus dem Mund eines Überfliegers. Jan Philipp Albrecht hat in seiner Brüsseler Zeit vieles richtig gemacht. Er erwarb sich in ganz Europa, ja sogar weltweit eine Reputation, von der die meisten EU-Abgeordneten nur träumen können. Der Name Albrecht ist untrennbar verbunden mit der Datenschutzgrundverordnung, die am vergangenen Freitag in Kraft trat.

Die DSGVO gilt als internationales Vorbild, das auch in den USA viel Lob findet. Und Albrecht hat für dieses Regelwerk so leidenschaftlich gekämpft wie kaum ein anderer in Europa.

Das Thema Datenschutz passte geradezu maßgeschneidert auf den gebürtigen Braunschweiger, als er 2009 im Alter von 26 Jahren für die Grünen ins Europaparlament einzog. Schließlich hatte der Jurist seine Masterarbeit über europäischen Datenschutz geschrieben. Auch seine Nationalität half ihm: Deutschland führte früher als andere EU-Staaten einen strengen gesetzlichen Datenschutz ein.

So wurde die europäische DSGVO fast zu einer Kopie des Bundesdatenschutzgesetzes. „90 Prozent der deutschen Regelungen wurden übernommen“, sagt Albrecht. Daher ändere sich mit der DSGVO in Deutschland auch gar nicht so viel. Andere EU-Staaten, die vorher so gut wie keinen Datenschutz hatten, müssten sich viel stärker umstellen.

Für die teils panische Reaktion deutscher Unternehmen und ihrer Verbände auf die neue Verordnung hat ihr Urheber daher wenig Verständnis. Es herrsche immer noch „große Unkenntnis“ über die neuen Vorschriften, meint er. Und manchmal würden von interessierter Seite auch ganz gezielt Falschinformationen verbreitet, moniert er.

Nach Inkrafttreten der DSGVO können sich große Internetkonzerne wie eben Facebook nicht mehr vor dem strengen deutschen Datenschutz drücken, indem sie ihren Firmensitz in einen weniger regulierten, anderen EU-Staat verlegen. Der deutsche Mittelstand, der dem heimischen Datenschutz nie entkommen konnte, müsse daran doch dringend interessiert sein, meint der Grünen-Politiker.

Den Niedersachsen zieht es nun aber zurück in den Norden Deutschlands. Am 31. August ist für ihn in Brüssel Schluss. Albrecht wechselt nach Kiel und folgt dort dem Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck als Landesumweltminister nach. Dann wird Albrecht es mit Themen wie Gülle, Stromtrassen und dem Bienensterben zu tun bekommen.

Auf sein Lieblingsthema muss er in Schleswig-Holstein aber nicht ganz verzichten müssen: Die Digitalisierung gehört auch zu seinem Ressort.

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