Japan
Hatoyama, der nüchterne Sieger

Yukio Hatoyama hat bei den Wahlen in Japan triumphiert. Seine Demokratische Partei Japans hat die 55 Jahre herrschenden Liberaldemokraten als Mehrheitspartei abgelöst. Trotzdem hat Hatoyama kein großes Aufhebens gemacht. Warum der neue Regierungschef in der Stunde seines größten Erfolgs ernst und zurückhaltend bleibt.

TOKIO. Dem Mann ist ein historischer Sieg gelungen, doch sein erster Auftritt danach ist alles andere als glanzvoll und mitreißend: Yukio Hatoyama sitzt in einem spärlich dekorierten Konferenzsaal in der Zentrale der Demokratischen Partei Japans (DPJ). Hinter ihm eine riesige Tafel mit allen Wahlkreisen des Landes. Seine Stimme klingt gepresst und sehr leise, als er sagt: "Noch ist nicht sicher, dass wir gewonnen haben. Wir müssen erst das Endergebnis abwarten."

Draußen hat keiner Zweifel daran, dass Hatoyama etwas Einzigartiges gelungen ist. Erste Hochrechnungen belegen dies auch. Drinnen gibt er sich bescheiden und zurückhaltend. Immerhin, ein gequältes Lächeln ringt er sich ab, als ein Reporter ihn dazu auffordert.

Yukio Hatoyama, 62 Jahre alt, ist Japans neuer Regierungschef. Etwa 300 von 480 Sitzen hat seine Partei am gestrigen Sonntag bei den Wahlen des mächtigen Unterhauses bekommen. Damit haben die Wähler der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ihrer vermeintlich ewigen Regierungspartei, den Liberaldemokraten (LDP), einen Denkzettel verpasst.

Sie lasten ihr jahrelanges Missmanagement, wirtschaftliche Stagnation und einen großen Rentenskandal an. Sie trauen ihr offenbar auch nicht zu, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen.

Rund 50 Jahre lang hat die LDP das Amt des Ministerpräsidenten besetzt, unterbrochen nur von einem Intermezzo Anfang der 90er-Jahre. Nun geht diese Ära zu Ende.

Nippons Wähler haben jetzt für einen Regierungswechsel gestimmt. Das kommt einer Revolution gleich. Dafür brauchte es einen wie Yukio Hatoyama - einen konservativen Politiker, der zugleich Wandel verspricht, einen wendigen Kandidaten, der zugleich verlässlich erscheint. Doch so ganz genau wissen die Japaner bis heute nicht, woran sie mit ihrem neuen Regierungschef eigentlich sind.

Wer ist dieser Mann, der Geschichte geschrieben hat? Was will er anders machen als seine Vorgänger? Was erwartet Japan mit Hatoyama an der Spitze, der aus einer Politikerdynastie stammt? Bislang steht nur so viel fest: Hatoyama ist kein Revolutionär.

Samstagabend, einen Tag vor der Schicksalswahl, 20 000 Menschen haben sich auf einem Platz im Tokioter Stadtteil Ikebukuro versammelt - vor einem Lautsprecherwagen mit meterlanger Leuchtreklame für die DPJ.

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