Japan
Mister Yen läst erneut am Devisenmarkt intervenieren

Auch am heutigen Freitag hat Japan wieder am Devisenmarkt interveniert. Als Initiator der Aktion gilt der Finanzminister. Er könnte bald neuer Premierminister des Landes werden.
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TokioJapan hat Händlern zufolge am Freitag erneut am Devisenmarkt interveniert. Der Dollar legte zum Yen aufgrund der Spekulationen zeitweise deutlich zu, gab die Gewinne aber im Verlauf wieder ab. Ein hochrangiger Vertreter des japanischen Finanzministeriums wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Japan war bereits am Donnerstag gegen die starke Landeswährung vorgegangen und hatte Yen abgestoßen. Weitere Eingriffe am Devisenmarkt wurden nicht ausgeschlossen. Als Initiator der jüngsten Devisenmarktintervention des Inselstaates gilt der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda. Der 54-jährige wird zurzeit als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Premierminister in Japans gehandelt.

Der aktuelle, Naoto Kan, steht vor dem Rücktritt. Noda gilt als besonnen, zurückhaltend bis zur Gesichtslosigkeit, weder sind von ihm Frauengeschichten noch Spendengeldaffären bekannt. Das immerhin unterscheidet ihn von den letzten beiden Premierministern - und könnte ihn zurzeit zum idealen neuen Regierungschef machen. Mit Noda kann auch die Opposition leben, die er dringend braucht, um seinen Haushalt zu finanzieren. Der steht zurzeit auf tönernen Füßen, da rund 40 Prozent des Geldes durch neue Staatsanleihen gedeckt werden sollen – die Noda aber erst ausgeben kann, wenn die Opposition einem entsprechenden Ermächtigungsgesetz zugestimmt hat.

Beim Eingriff in den Währungsmarkt am gestrigen Donnerstag und am heutigen Freitag hat er immerhin bewiesen, dass er etwas richtig und viele zufrieden machen kann. Zwar hat er recht lange gezögert, etwas zu oft hat er den Schlag angedeutet, ohne ihn auszuführen. Am Ende aber hat er den heimischen Unternehmer zumindest vorübergehend Luft verschafft. Der Yen gab gegenüber dem Dollar deutlich nach. Die Wirtschaft hat er damit schon einmal auf seine Seite gebracht.

Ob das reicht, um ein starker Premier zu sein und die nächste Wahl 2012 oder 2013 zu gewinnen, ist aber ungewiss. Politische Beobachter halten ihn sowieso nur für einen Übergangskandidaten, der seinem deutlich charismatischeren Ziehkind, Ex-Außenminister Seiji Maehara, den Weg an die Spitze bereiten soll. Vielleicht wird Noda aber auch unterschätzt. Clever biederte er sich jedenfalls vor kurzem auch bei der Opposition an. Der angekündigte Atomausstieg seines Noch-Chefs Kan, so Noda, sei lediglich eine „besorgniserregende Einzelmeinung“.

Kommentare zu " Japan : Mister Yen läst erneut am Devisenmarkt intervenieren"

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  • Lieber Autor, ein bischen mehr Basisrecherche bitte. In Finanzkreisen ist der Begriff "Mister Yen" ein für allemal mit dem ehemaligen Vize-Finanzminister Shirakawa (hoffe den Namen richtig geschrieben zu haben) als stehender Begriff verbunden. Man könnte sonst meinen fürs Handelsblatt schreiben nur Amateure

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