Japan
Proteste gegen Pilgergänge

Pilgergänge japanischer Regierungsmitglieder zum Yasukuni-Schrein sorgen für Proteste in China, Südkorea und Taiwan. Der Schrein erinnert an Japans Kriegstote. Japans Nachbarn fürchten die militärische Vergangenheit.
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Tokio/PekingJapanische Regierungsmitglieder sind am Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg in den umstrittenen Yasukuni-Schrein für die Kriegstoten gepilgert. In dem Heiligtum werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Die Pilgergänge am Donnerstag in Tokio lösten in China, Südkorea und Taiwan heftige Proteste aus.
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte die Billigung der Ministerbesuche durch den rechtskonservativen Regierungschef Shinzo Abe und jüngste „provokative“ Äußerungen seiner Kabinettsmitglieder.
Die Staatsagentur warf der japanischen Regierung vor, mit ihrem beunruhigenden Rechtsruck „zu weit gegangen“ zu sein. Japans Nachbarn hätten Angst vor einer „gefährlichen Wiederbelebung seiner militaristischen Vergangenheit“.
Aus Rücksicht auf die wegen des Streits um eine Inselgruppe ohnehin angespannten Beziehungen zu China und den Empfindlichkeiten auch in Südkorea war Regierungschef Abe dem Schrein ferngeblieben. Er äußerte gleichwohl sein Bedauern, nicht in das Shinto-Heiligtum gehen zu können.

Japan hat am Donnerstag an den 68. Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg erinnert. Dabei haben zwei Regierungsmitglieder schon am Morgen im Yasukuni-Schrein der 2,5 Millionen Kriegstoten gedacht. Besuche in dem Schrein werden in Asien mit Blick auf die koloniale Vergangenheit Japans durchaus kritisch gesehen, da sich auf dem Gelände des Schreins auch ein Museum befindet, das die kriegerische Vergangenheit Japans verherrlicht. Japan kapitulierte am 15. August 1945, nachdem die USA zwei Atombomben auf das Land abgeworfen hatten.
Japan hat sich schon wiederholt für Verbrechen während des Krieges entschuldigt. Besorgnis gibt es bei den asiatischen Nachbarn aber weiterhin auch deshalb, weil Ministerpräsident Shinzo Abe sich für eine Überarbeitung der nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossenen pazifistischen Verfassung ausgesprochen hat. Zudem gibt es anhaltende Spannungen mit China wegen einiger Inseln im Südchinesischen Meer, die beide Länder für sich beanspruchen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • "Hier wird der gefallenen Militärangehörigen gedacht, die während und seit der Meiji-Restauration von 1868 auf der Seite der kaiserlichen Armeen ihr Leben ließen, untergeordnet //aber auch der Gefallenen aller Nationen, einschließlich der Kriegsgegner.//"
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    Vieleicht mal lesen? Wenn in den USA, Frankreich oder GB patriotische Klänge ertönen und die Veteranen gefeiert werden, dann ist das in Ordnung.
    Wenn die Japaner Yasukuni Jinja besuchen (z.B. auch zu Hanami), dann ist das Nationalismus?
    Ich nenne das "mit zweierlei Maß messen"!

    "Japan kapitulierte am 15. August 1945, nachdem die USA zwei Atombomben auf das Land abgeworfen hatten.
    Japan hat sich schon wiederholt für Verbrechen während des Krieges entschuldigt."
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    Wann haben sich die Amis für die mörderischen Atombombenangriffe gegen die Zivilbevölkerung entschuldigt? 220.000 Tote in Summe und bis heute leiden noch Menschen unter den Folgen.
    Ich habe mal einen alten Bildband über die Geschehnisse in die Hände bekommen, zum Glück in Schwarzweiß. Danach habe ich tagelang nicht geschlafen und meine Sympathie für die USA fiel auf den Nullpunkt (Bildberichte über den Vietnamkrieg (My Lai!) trugen ebenfalls dazu bei). Auch wenn ich inzwischen moderater denke (es gibt großartige amerikanische Künstler, die ich gerne kennenlernen würde), bis heute fühle ich mich insgesamt betrachtet dem japanischen Volk und seiner Kultur mehr verbunden und daran wird sich auch nichts ändern, zumal die deutsch-japanische Freundschaft (1861) schon über 150 Jahre andauert.

  • Die Heldenverehrung für die von den Amerikanern im Zuge der Siegerprozesse nach dem WKII getöteten Politiker in Japan ist vergleichbar mit einer Heldenverehrung für die nach dem WKII im Zuge der Siegerprozessen in Nürnberg getöten Deutschen Politiker und Generale.

    Der Umgang Deutschlands mit der geschichtlichen Vergangenheit unterscheidet sich sehr von der fast aller anderen Staaten.

    Vandale

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