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Japan: Regierung kämpft gegen die Überalterung

Viele junge Menschen in dem asiatischen Staat können sich keine Kinder leisten. Nun will die Politik mit einer neuen Strategie gegen die Überalterung des Landes vorgehen. Mit Fördermitteln für Kinder und Jugendliche soll langfristig die Geburtenrate gesteigert werden.

Japanische Kinder zu Besuch auf dem Oktoberfest. In Japan ist die Geburtenrate schon seit den 1970er Jahren rückläufig. Quelle: ap
Japanische Kinder zu Besuch auf dem Oktoberfest. In Japan ist die Geburtenrate schon seit den 1970er Jahren rückläufig. Quelle: ap

TOKIO. Das Jahr 2010 soll für Japans Bevölkerungspolitik eine Wende bringen. Bislang hat Tokio für eine Rentenreform vor allem bei den Senioren angesetzt. Jetzt will die junge Regierung von Premier Yukio Hatoyama mit Fördermitteln für Kinder und Jugendliche die niedrige Geburtenrate steigern, um so das Problem der alternden Gesellschaft in den Griff zu bekommen. "Mit der neuen Regierung richtet sich der Blick mehr auf Kinder und Jugendliche", sagt Taizo Okada vom japanischen Kabinettsamt. Im Herbst hat die Demokratische Partei Japans (DPJ) die langjährige Regierungspartei LDP abgelöst.

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Die DPJ will das bisherige niedrigere einkommensabhängige Kindergeld durch ein allgemeines Kindergeld von monatlich 13 000 Yen (knapp 100 Euro) für jedes Kind bis zum Ende des neunten Schuljahrs ersetzen. Dazu kommen Zuschüsse zu den Kindergartengebühren. Zudem macht die Regierung den Besuch der Oberschule kostenlos. Ihr Argument: In Japan machen familienbezogene Sozialausgaben nur 0,81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Deutschland immerhin 2,17 Prozent, in Großbritannien sogar 3,2 Prozent.

Hinter dieser Rechnung steht die Vermutung, dass sich viele Japaner schlicht keine Kinder mehr leisten können. Statt wie früher in lebenslangen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten mittlerweile 30 Prozent der Beschäftigten in prekären Verhältnissen oder in Teilzeitarbeit. Seit Ende der 90er-Jahre sind die Einkommen um 14 Prozent zurückgegangen. Weil viele Berufseinsteiger keine Arbeitslosenversicherung haben, leben junge Erwachsene zunehmend bei ihren Eltern. Uneheliche Kinder sind in Japan noch immer ein Tabu, traditionelle Familienbilder leben fort. Daher wirken sich die niedrigen Einkommen der potenziellen Familienväter nach Meinung von Soziologen direkt auf die Geburtenrate aus.

Die Folgen lesen sich dramatisch: Heute kommen drei Erwerbstätige auf einen Rentner, künftig wird das Verhältnis eins zu eins sein, hat das staatliche Forschungsinstitut für Bevölkerungsfragen errechnet. Der Anteil der Senioren über 65 Jahren an der Bevölkerung, heute bei gut 20 Prozent, soll demnach im Jahr 2020 bei 32 Prozent, 2055 schon bei gut 40 Prozent liegen, während im selben Zeitraum die Bevölkerung um 37 Millionen auf nur noch 90 Millionen Japaner schrumpft.

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