Japan
Seiji Maehara: Favorit mit drei Fragezeichen

Sollte der Ex-Außenminister neuer Premier werden, muss er sich mit einem "Schatten-Shogun" herumschlagen, eine Spendenaffäre abschütteln - und die größte Herausforderung kommt erst noch.
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TokioDrei Probleme könnten dem smarten Seiji Maehara in Zukunft das Leben schwer machen. Das eine heißt Ichiro Ozawa und ist der mächtige Ex-Generalsekretär von Maeharas Demokraten, dessen Parteimitgliedschaft zurzeit wegen einer Korruptionsaffäre suspendiert ist. Das zweite ist Maeharas eigener Spendenskandal. Und dann ist da noch ein Land, das von einer horrenden Schuldenlast erdrückt wird. „Zu diesem Zeitpunkt der Krise, sowohl für das Land wie für unsere Partei, sind die Erwartungen hoch an ihn“, fasst es Shu Watanabe, einer der langjährigen Abgeordneten der DPJ, nüchtern zusammen.

In der Tat braucht der ehemalige Außenminister Maehara, der als Favorit für die Nachfolge des zurückgetreten Premiers Naoto Kan gilt, in der nächsten Zeit gute Nerven und Verhandlungsgeschick.

So dürfte es ohne die Unterstützung des großen Ozawa-Lagers in der DPJ schwer für ihn werden, neuer Premier Japans zu werden. Denn zum zweiten Mal in Folge wird Japans Premier nicht von der Bevölkerung gewählt, sondern nach einem Rücktritt von den 398 Abgeordneten der Regierungspartei gewählt. Und Ozawa, ganz der undurchsichtige „Schatten-Shogun“, wie sie ihn in Japan nennen, hat sich bisher nicht zu seinen Vorlieben geäußert – zumal Maehara bisher eher zu seinen Gegner zählte.

Das andere Problem könnte den 49-jährigen Tokioter erst einholen, wenn er schon in Amt und Würden ist. Maehara selbst, Absolvent der juristischen Fakultät der renommierten Kyoto-Universität und einer politischen Kaderschmiede, war in einen Spendenskandal verwickelt, der ihn am 6. März veranlasste, sang- und klanglos als Außenminister aus dem Kabinett Kan auszusteigen. Sein politische Apparat hatte 250.000 Yen (2.250 Euro) von einer koreanischen Restaurant-Besitzern entgegen genommen, deren Familie seit Generationen in Japan lebt. Spenden an Kandidaten sind in Japan zwar erlaubt. Sie dürfen allerdings nicht von Ausländern kommen. Dass Maehara ohne zu zögern zurück trat, obwohl der diskriminierende Ansatz des entsprechenden Gesetz viel kritisiert wird, nehmen Beobachter zum Anlass zu vermuten, dass noch nicht alle Aspekte dieses Skandals ans Tageslicht befördert wurden.

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