Japan
Tokios Exportwirtschaft verblüht

Die Zweifel am japanischen Wirtschaftsmodell mehren sich. Die Handelsbilanz des Landes sinkt weiter, bald schon dürfte Japan dauerhaft mehr importieren als exportieren. Nippon hat seine Innovationskraft verloren.
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Jahrzehntelang teilten Japan und Deutschland ein Erfolgsrezept: Beide Nationen haben sich immer wieder aus Schwierigkeiten herausexportiert. Das galt sogar in der Staatsschuldenkrise. Japan ist zwar das am höchsten verschuldete Industrieland der Welt, wischte aber mit hohen Überschüssen in der Leistungsbilanz Zweifel an seiner Bonität vom Tisch. Doch nun stottert Japans Exportmaschine. Die Handelsbilanz ist seit 17 Monaten meist im Minus. Nippon braucht ein neues Geschäftsmodell.

Das Handelsdefizit fiel im Juli mit umgerechnet 5,2 Milliarden Euro rund doppelt so hoch aus wie von den Märkten befürchtet. Das zeigte die gestern veröffentlichte Zollstatistik des Finanzministeriums. Ein Grund dafür ist, dass die Ausfuhren in das krisengeschüttelte Europa im Jahresvergleich um ein Viertel eingebrochen sind. Auch die Chinesen kaufen deutlich weniger Produkte aus Japan.

Eine Rückkehr zu den gewohnt fetten Überschüssen schien immer nur eine Frage der Zeit. Doch nun fragen sich Experten, ob sie jemals wiederkommen werden. „Die Handelsbilanz wird wenigstens noch im Jahr 2013 einen Verlust ausweisen", warnt Kyohei Morita, Volkswirt von Barclays Capital in Japan. Der Internationale Währungsfonds ist sogar noch pessimistischer.

Die Rezession in anderen Weltregionen ist ein Grund für Japans aktuelle Exportschwäche. Ein weiterer Grund ist die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 - seither muss das Land deutlich mehr Energie importieren. Doch die wahren Gründe liegen tiefer und sind langfristiger Natur.

So hat Japan einen Großteil seiner einst weltweit bewunderten Innovationskraft verloren. „Vor zehn, 20 Jahren gab es moderne Elektronikprodukte, die nur die Japaner herstellen konnten", sagt Rolf Langhammer, Handelsexperte vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Doch dieser Vorsprung an guten Ideen sei dahin. "Leider zeigt das Land auch wenig Interesse, klugen Köpfen aus dem Ausland die Einwanderung zu ermöglichen", sagt Langhammer. Dabei schrumpft die Bevölkerung wie nirgendwo sonst.

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  • mann könnte noch weitere faktoren hinzufügen, z.b. die Insellage und damit zusammenhängend die Abschottung der kultur, die es japan im Gegensatz zu deutschland erschweren Verflechtungen mit den unmittelbaren nachbarn einzugehen bzw. expansion zu betreiben, (nicht militärisch sondern kulturell und wirtschaftlich), ob der faktor der währung im falle deutschlands wirklich so entscheidend ist, wage ich zu bezweifeln, da auch vor einführung des euro deutschland exportstark war und regelmäßig enorme überschüsse zu vermelden hatte.

  • Einen weiteren Aspekt des japanischen Trauerspiels blendet die Analyse ganz aus: Der Aufstieg Suedkorea, des kleinen Nachbarn im Westen. Zuerst haben sie das japanische Modell kopiert, dann sind sie gleichgezogen, und in den letzten 10 Jahren haben sie die ungeliebte ehemalige Kolonialmacht in praktisch allen Disziplinen ueberholt: Ob Konzerngewinne, Exportsumme pro Einwohner, ob Patentanmeldungen, Forschungs- und IT-Infrastruktur, ob PISA-Studie, Englischkenntnisse und Akademikeranteil, ob Wirtschaftswachtum, Arbeitslosigkeit, oeffentliche Verschuldung und Waehrungsreserven, ob Qualitaet der Flughaefen und Fluggesellschaften und Tourismus. Ueberall hat sich das unauffaellige Korea an ihnen vorbeigeschoben oder sogar an der Weltspitze festgesetzt. Und das bei einer in Euro und USD deutlich niedriger umgerechneten Waehrung. Bei solch unheimlicher Konkurrenz vor der Haustuer haben die Japaner einfach keine Chance mehr.

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