Japan
Wirtschaftsaufschwung ohne Bürger

Vom Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft in Japan profitieren vor allem Unternehmen. Arbeitnehmer müssen mit Zeitverträgen vorlieb nehmen, ihre Einkommen sind gesunken - und es könnte noch schlimmer kommen.
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TokioDie einfachen Aufgaben auf dem Weg zur Wiederbelebung der japanischen Wirtschaft hat Ministerpräsident Shinzo Abe erledigt. In den Fabriken werden mehr Autos und Elektroartikel produziert, Unternehmen machen wieder höhere Gewinne. Die Aktienkurse sind im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen. An der New Yorker Aktienbörse postulierte Abe im September: „Japan ist zurück.“ Doch nun muss der Regierungschef noch dafür sorgen, dass die Früchte seiner Wirtschaftspolitik auch bei der Bevölkerung ankommen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ging die Zahl der Arbeitsplätze, bei denen die Beschäftigten voll sozialversichert sind, zurück. Aus Kostengründen lagerten Firmen ihre Produktion ins billigere Ausland aus. Feste Stellen in der Produktion oder im Finanzsektor, die wegfielen, wurden durch schlechter bezahlte Dienstleistungsjobs ersetzt. Besonders betroffen waren Arbeitnehmer unter 40 Jahre.

Rund 40 Prozent der Beschäftigten in Japan – dreimal so viel wie vor 30 Jahren – haben Teilzeit- oder nicht reguläre Verträge, die deutlich weniger Verdienst bedeuten als die typischen Angestelltenjobs der Vergangenheit. Das untergräbt auch die Binnennachfrage, die fast drei Viertel der Geschäftsaktivitäten in Japan antreibt, was wiederum die negativen Auswirkungen einer schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung verstärkt.

„Bis jetzt war es ein Minusgeschäft“, sagt der Rentner Takeshi Onodera auf die Frage, was er von Abes Wirtschaftspolitik hält. Die Erholung habe keine Auswirkungen, „sie hat uns nicht erreicht“. Sein Pessimismus wird von einigen Experten geteilt. Sie sagen, dass die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren, die in Japan seit mehr als einer Generation bestimmend sind, nicht mit Abes Rezept von hohen Staatsausgaben, einer Lockerung der Geldmarktpolitik, schwachem Yen und einem Abbau von Wettbewerbshindernissen überwunden werden können.

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