Japan
Zwischen Stolz und Angst

Wer japanische Weltkarten betrachtet, der mag als Europäer zunächst einmal die Stirn runzeln. Denn in der Mitte ist nicht Europa, sondern, wie könnte es anders sein, Japan, um das sich die Welt zu gruppieren scheint. Und wie auf diesen Karten ist denn auch sonst die japanische Perspektive auf die Veränderungen der Welt und Japans Stellung in ihr etwas anders.

HB TOKIO. Auch wenn Bundespräsident Horst Köhler zurzeit viel Aufmerksamkeit im Land genießt - in Japans außenpolitischem wie wirtschaftlichem Fokus steht nicht Europa, sondern die USA und Asien. Die meisten japanischen Unternehmen haben längst erkannt, dass die rasch wachsenden Märkte in China, aber auch Ostasien enorme Chancen bieten - sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt. Immer dichter verzahnt sich deshalb die japanische Wirtschaft mit der asiatischen Region. Nur mit einer solchen Arbeitsteilung, meint etwa der Chef der japanischen Außenhandelsorganisation Jetro, Osamu Watanabe, kann Japan auf Dauer global wettbewerbsfähig bleiben. Was Osteuropa für Deutschland, ist Asien somit für Japan.

So gesellt sich Asien zu dem oft starken Engagement japanischer Unternehmen auf dem US-Markt, immer noch die größte Gewinnquelle. Ende der achtziger Jahre hatten viele Unternehmen hier bereits Produktionsstätten errichtet, was heute bei der Internationalisierung hilft. Europa mit seinen vielen unterschiedlichen Märkten und Sprachen steht weit hinten auf der Prioritätenliste. Es ist eher ein Markt, auf dem man seine Wettbewerbsfähigkeit mit starken Konkurrenten misst und auf Innovationen aus dem Markt hofft. Ähnlich sehen dies übrigens viele deutsche Unternehmer in Japan.

Ende der neunziger Jahre hinkten die japanischen Großunternehmen in ihrer Antwort auf die Globalisierung stark hinterher. Doch nun investieren sie - neben Asien - auch in Indien und Russland. Der Erfolgsdruck wächst. Und auch das Selbstbewusstsein. Die zweistelligen Gewinnsteigerungen japanischer Unternehmen im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr zeigen, dass sich "Corporate Japan" auf dem richtigen Weg befindet. Das Selbstvertrauen und der Stolz sind zurückgekehrt. Toyotas Anspruch, zum weltgrößten Autobauer aufzusteigen, macht so auch anderen Mut. Im Schnellzug Shinkansen dröhnt den Fahrgästen seit kurzem als neues Motto entgegen: "Be ambitious" - "Sei ehrgeizig".

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