Japaner verbinden mit Deutschland vor allem Ehrgeiz, Zuverlässigkeit und Langeweile
Verjüngungskur im Fernen Osten

Am Samstag wird Bundespräsident Horst Köhler nach Japan reisen und Anfang der Woche dort das Deutschlandjahr eröffnen. Die von der Bundesregierung finanzierte Werbekampagne scheint nötig, denn Deutsches gilt in Japan zurzeit als angestaubt.

TOKIO/BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler hat auf seiner Japanreise, die an diesem Wochenende beginnt, einiges zu tun. Da gilt es, Fußbälle zu kicken, Konzerten zu lauschen, deutsche Mode zu begutachten und mit dem japanischen Kronprinzen Naruhito eine Ausstellung zu eröffnen. Das alles gehört zum Start des Deutschlandjahrs in Japan, für das Köhler und der Kronprinz die Schirmherrschaft übernommen haben.

Mit dem PR-Jahr wollen deutsche Regierung, Unternehmen und Institute beweisen, dass sie nicht annähernd so verstaubt sind wie ihr Image in Japan. Denn vor allem junge konsumfreudige Japaner verbinden mit Deutschland zwar Ehrgeiz und Zuverlässigkeit – aber eben auch Langeweile. Das zumindest ergab eine Studie der größten japanischen Werbeagentur Dentsu. Zwar sind Puma und Adidas auch in Japan angesagte Marken – aber nur die wenigsten Japaner wissen, dass deutsche Firmen hinter diesen Marken stehen. Friederike Bosse, Japanexpertin beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), bestätigt : „Es ist nicht unbedingt bekannt, dass wir gut sind in Design und Lifestile.“

Auch bei der Unterwäsche von Triumph blicken die Kundinnen fragend: „Französisch?“ Und noch weniger weiß der junge japanische Konsument wohl, dass er gerade Deutsches kauft, wenn er in Tokioter Boutiquen zu Mode von Jungdesignern wie Bernhard Wilhelm, Dirk Schönberger oder Stephan Schneider greift. Viele Produkte, sagen sich die Organisatoren des PR-Jahres, sind schon da – sie müssen nur ein wenig mehr als deutsch ins Bewusstsein gerückt werden.

Manfred Hoffmann, Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan, hofft, dass das PR-Jahr mit mehr als 700 Veranstaltungen der Wirtschaft in beiden Ländern nutzt. Die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt pflegen gute Wirtschaftsbeziehungen, aber niemand bestreitet, dass noch Raum für Verbesserung wäre. „Deutschland und Japan, das ist wie eine in die Jahre gekommene Liebesbeziehung, wo beide das Interesse aneinander verloren haben“, sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). „Seit 2003 ist der deutsch-chinesische Handel größer als der deutsch-japanische.“

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