Japans Finanzminister
Schönling ohne Kampferfahrung

Jun Azumi, Japans neuer Finanzminister, ist ein unbeschriebenes Blatt. Nun bekommt er die wohl härteste Aufgabe im Kabinett von Premier Noda. Für das angeschlagene Land ist das kein gutes Zeichen.
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TokioBöse Zungen in der Partei behaupten, er sei vor allem für seine Schmalztolle bekannt. Tatsächlich ist Jun Azumi, Japans neuer Finanzminister, selbst bei den eigenen Leuten in der Regierungspartei DPJ kaum aufgefallen, allenfalls durch sein sorgsam gepflegtes Äußeres. Was man sonst über ihn weiß, lässt sich schnell aufzählen. Der 49-jährige war lange Jahre Journalist beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, er ist verheiratet und hat zwei Kinder, er unterhält offenbar gute Beziehungen zur größten Oppositionspartei LDP und war zeitweilig eine Art parlamentarischer Geschäftsführer in seiner Partei. Dass er aus Ishinomaki kommt, in der nordöstlichen Präfektur Miyagi, dürfte vor allem die vom Erdbeben und Tsunami betroffenen Japaner interessieren. Er ist einer von ihnen – Ishinomaki wurde bei der Katastrophe am 11. März mit am schwersten verwüstet.

Warum jedoch gerade Azumi nun die wohl härteste Aufgabe im neuen Kabinett von Premier Yoshihiko Noda bekommt, darüber rätseln seit heute viele politische Beobachter. „Ich habe ihn noch nie über Wirtschaftspolitik reden hören“, sagt ein Parteikollege erstaunt. Für Japan, das wie kaum eine Industrienation unter einem fiskalpolitischen Reformstau leidet, ist das kein gutes Zeichen.

Der neue Finanzminister muss schließlich nicht nur mit dem massiven Druck aus der Wirtschaft fertig werden, endlich ein wirksames Mittel zur Beendigung des Yen-Höhenflugs zu finden. Er muss auch und vor allem das mit über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hochverschuldete Land sanieren helfen und zugleich weitere Gelder für einen dritten Zusatzhaushalt zum Wiederaufbau der durch Erdbeben und Tsuanmi zerstörten Gebiete locker machen. Und damit wird es seine wohl härteste Aufgabe werden, Steuererhöhungen durchzusetzen, die sein Boss Noda schon länger im Hinterkopf hat – allen voran eine Heraufsetzung der Verbrauchsteuer um mindestens fünf Prozent. An all diesen Aufgaben sind jedoch schon bekanntere und charismatischere Politiker gescheitert – nicht zuletzt Naoto Kan, Nodas Vorgänger im Amt des Premier.

Die plausibelsten Erklärungen für Nodas Wahl des Nobody sind deshalb wohl strategischer Natur. So zeigt Nodas neues Kabinett die Handschrift eines Mannes, der die Quadratur des Kreises versucht: Er will die Partei einigen und zugleich die Opposition, deren Zustimmung er bei wichtigen Gesetzen braucht, zur Zusammenarbeit überreden. Und er will niemanden, der eigene Vorstellungen in Sachen Finanzpolitik hat. Dafür kommt Azumi gerade recht.

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Azumi ist die Schwachstelle im Kabinett

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  • solange die Führungen eines Landes angesichts schier unüberwindlicher Probleme immer noch gefälligen Speichelleckern den Vorzug geben gegenüber unbequemen, aber effizienten Fachleuten, gibt es nur eine Richtung, abwärts. Wie Fukushima gezeigt hat, erlaubt es die japanische Mentalität nicht, wirksame Maßnahmen gegen Mißstände zu ergreifen, noch weniger als die der westlichen Demokratien.

  • Eine zweideutige, schlüpfrige Überschrift!!!
    Schönling ohne Kampferfahrung???
    Er muss trotzdem etwas haben, um auf den Posten des Japanischen Finanzministers gesetzt zu werden.
    Danke

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