Japans Notenbanker geht: Nach mir die Geldflut

Japans Notenbanker geht
Nach mir die Geldflut

Der japanische Notenbankchef räumt heute seinen Posten. Der Nachfolger ist ein Anhänger der ultralockeren Geldpolitik der Regierung. Experten gehen bereits im April von einer Geldflut aus.
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TokioVor dem Chefwechsel hat die japanische Notenbank ihr Pulver noch einmal trocken gelassen. Der scheidende Notenbankchef Masaaki Shirakawa verabschiedete sich am Donnerstag bei einem stabilen Leitzins von nahe Null von seinem Posten, auch das Programm zum Ankauf von Wertpapieren wurde nicht angefasst - noch nicht. Denn Experten rechnen damit, dass schon bei der nächsten Sitzung im April die geldpolitischen Schleusen noch weiter geöffnet werden, wenn der bisherige Chef der asiatischen Entwicklungsbank, Haruhiko Kuroda an die Spitze der Bank von Japan nachrückt.

Schon jetzt hätten erste Notenbanker angedeutet, dass das Kaufprogramm erweitert werden könnte, sagte Junko Nishioka, Chefvolkswirt für Japan bei RBS Securities, auch wenn Notenbankerin Sayuri Shirai zunächst noch mit ihrem Vorschlag gescheitert war, die unbefristeten Anleihenkäufe vorzuziehen. „Der Vorstoß wurde zwar heute niedergestimmt, aber er könnte im April wieder auf den Tisch kommen, zumal Kuroda selbst vor dem Parlament ähnliche Ideen geäußert hatte“, sagte Nishioka. Auch könnte das Anleihenkaufprogramm ausgeweitet werden.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat seit seinem Amtsantritt Ende 2012 den Druck auf die Notenbank immer weiter erhöht, die Geldpolitik zu lockern und damit den Yen auf Talfahrt geschickt. Mit Kuroda nominierte er einen Kandidaten für die Nachfolge Shirakawas, der als geldpolitische Taube gilt. Shirakawa und zwei seiner Stellvertreter treten am 19. März ab. Der scheidende Notenbankgouverneur warnte davor, sich beim Kampf auf sinkende Preise allein auf die Inflationserwartungen zu verlassen. Das berge die Gefahr, dass die Renditen für Staatsanleihen stiegen und könne das Finanzsystem belasten. Zugleich seien aber auch vorschnelle Lohnerhöhungen gefährlich, wenn sich die Konjunkturaussichten nicht besserten.

Die Notenbank schätzt die wirtschaftliche Lage Japans derzeit etwas günstiger ein als noch vor vier Wochen: Der Einbruch sei gestoppt, im Februar hatte es noch geheißen, die Wirtschaft habe den Boden erreicht. Japan leidet unter der seit Jahrzehnten andauernden Deflation, also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen, welche die Nachfrage im Inland lähmt.

Schon jetzt ist die Geldpolitik in Japan so locker wie in keinem anderen größeren Industriestaat weltweit. Auch die Europäische Zentralbank und die Bank von England sollten am Donnerstag über die weitere Zinspolitik entscheiden. Experten gingen bei beiden Zentralbanken nicht davon aus, dass das Zinsniveau oder in Großbritannien das Anleihen-Kaufprogramm angetastet wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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