Japans Premier populär
Nervenkrieg um Koizumi-Nachfolge

Die Kandidaten für Koizumis Erbe liefern sich eine Schlammschlacht. Besonders in der Außenpolitik wollen sie sich profilieren. Die japanische Presse spricht bereits von einem „Nervenkrieg“ der vier Kandidaten.

TOKIO. Nachdem eine Reihe von Feiertagen das politische Leben Japans in der vergangenen Woche lahm gelegt hatte, beginnen nun heftige innenpolitische Kämpfe. Im September wählt Japans liberaldemokratische Regierungspartei (LDP) intern einen neuen Parteipräsidenten – und damit praktisch auch einen Premier für Japan. Die japanische Presse spricht bereits von einem „Nervenkrieg“ der vier Kandidaten. Die LDP hat eine klare Mehrheit im Parlament.

Die Kontrahenten lieferten sich gestern einen Schlagabtausch: „Wir müssen die Reformen der Ära Koizumi weiterbringen. Für diese Verantwortung bin ich der richtige“, sagte Finanzminister Tanigaki Sadakazu und warb dafür, die Politik des populären Premiers Junichiro Koizumi in verbesserter Form fortzusetzen. Parteiveteran Yasuo Fukuda versuchte dagegen, sich für das Amt zu profilieren, indem er Koizumi direkt angriff: „Wir müssen unsere Politik mehr auf Südostasien ausrichten. Koizumis Besuche am Yasukuni-Schrein lassen die Beziehungen zu China und Südkorea dagegen noch abkühlen.“ Zuvor hatte er angemerkt, dass Erfahrung mehr wert sei als Jugend.

Damit griff er ganz klar seinen 18 Jahre jüngeren Cliquenkollegen Shinzo Abe an, der ebenfalls zu den umstrittenen Schrein wallfährt. Der derzeitige Außenminister Aso Taro machte von Washington aus einen Rundumschlag, indem er die von Fukuda vertretene Außenpolitik als „nicht mehr zeitgemäß" kritisierte und der Parteipolitik von Koizumi und Abe vorwarf, „viel niederzureißen, aber nicht zu zeigen, wie das neue Haus konstruiert sein soll".

Koizumi selbst hat bereits durchblicken lassen, wer sein Wunschkandidat wäre. Ihm sollte jemand nachfolgen, „der Wahlen gewinnen kann“, sagte der Premier. Auf den dynamischen und in Umfragen populären Shinzo Abe trifft das am ehesten zu. Abe ist auch der Nachfolgekandidat, der sich derzeit der größten politischen Nähe zu Koizumi erfreut. Als Leiter seines Kabinettsamts nimmt er Koizumi den alltäglichen politischen Kleinkram ab.

Wie der Premier befürwortet Abe eine weitere Modernisierung und Entflechtung der japanischen Wirtschaft. Und wie Koizumi steht er für einen selbstbewussten Kurs gegenüber den einstigen Kriegsgegnern Korea und China.

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