Japans Regierungschef
Shinzo Abes Probezeit ist vorbei

Nach einem beeindruckenden Start als japanischer Regierungschef ist Shinzo Abe jüngst verstärkt in politische Bedrängnis geraten. Kritik an Abes Personalpolitik und lauter werdende Zweifel an seinem Reformwillen spiegeln sich in drastisch sinkenden Popularitätswerten.

fu TOKIO. Dass Shinzo Abe als Nachfolger von Junichiro Koizumi in große Fußstapfen treten würde, stand von Anfang an fest. Umso größer war die Überraschung, als der frisch gebackene Regierungschef kurz nach Amtsantritt einen Blitzstart hinlegte und eine Serie diplomatischer Erfolge zu verbuchen vermochte.

Doch nach drei Monaten im Amt ist der Honeymoon vorbei. So musste vor Wochenfrist zunächst der Chef der staatlichen Steuerkommission den Hut nehmen, nachdem aufgeflogen war, dass der verheiratete Politiker eine vom Staat bezahlte Dienstwohnung als luxuriöses Liebesnest für sich und seine Geliebte benutzt hatte. Und Mitte dieser Woche sah sich auch der Minister für Verwaltungsreformen zum Rücktritt gezwungen, zumal dessen Unterstützergruppe während zehn Jahren staatliche Fördergelder kassiert hatte für den Unterhalt eines Büros, das gar nicht existierte. Beide Politiker waren von Abe persönlich ins Regierungsteam berufen worden.

So wird Abe nun vorgeworfen, bei der Besetzung seiner Mannschaft primär politische Kumpanen, die ihn zuvor unterstützt hatten, mit wichtigen Posten belohnt und erst sekundär deren persönliche oder fachliche Qualifikation berücksichtigt zu haben. Den Preis für solche Freundschaftsdienste, so die Häme der japanischen Medien, müsse Abe nun angesichts seiner ramponierten Glaubwürdigkeit selber zahlen.

Dass Abe ein weit weniger talentierter Krisenmanager ist als Koizumi und er auch nicht annähernd über dessen Charisma verfügt, wird dieser Tage besonders sichtbar. Das Ergebnis: Gemäß einer Umfrage der Wirtschaftszeitung „Nihon Keizai“ zeigen sich nur noch 29 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Regierung von Abe eine gute Arbeit leistet; einen Monat nach Abes Inauguration hatte dieser Wert noch 53 Prozent betragen – keine guten Aussichten, für seine Partei, um bei den im Juli anstehenden Oberhauswahlen jene LDP-Sitze, die Koizumi dank klarer Richtungsvorgaben erobert hatte, verteidigen zu können.

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