Jassin galt als einer der unerbittlichsten Feinde Israels.
Schlüsselfigur im Terror-Kampf

Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin lehnte jeglichen Dialog mit Israel ab.

TEL AVIV. Der Mann war körperlich ein Wrack: Er hatte Atemprobleme, sah schlecht, hörte kaum, und immer wieder fiel sein Kopf nach links – aus Schwäche. Scheich Ahmed Jassin, der seit seiner Jugend an den Rollstuhl gefesselt war, hauchte manchmal nur. Doch der bärtige Gründer der Hamas-Bewegung liebte Auftritte vor den Kameras. Nie enttäuschte er die Reporter: Seine Aussagen zum „Heiligen Krieg“ waren prägnant, kämpferisch und unversöhnlich. Dass er dabei mit seiner Fistelstimme und seinem Lächeln einen friedlichen Eindruck machte, während er vom Heiligen Krieg sprach, verlieh seinen harten Statements über Israel einen umso schärferen Kontrast.

Jassin galt als einer der unerbittlichsten Feinde Israels. Einen Dialog lehnte er strikt ab. Mit seiner kompromisslosen Haltung in der 100 Jahre alten Auseinandersetzung wurde er zu einem der populärsten Palästinenserführer. Im Gegensatz zu den Ministern und Bürokraten der Palästinenserregierung warf ihm niemand Korruption vor. Aus Frustration über ausbleibende Erfolge des Friedensprozesses registrierte die Hamasbewegung zuletzt wachsenden Zulauf. „Ich habe viele junge Menschen, die zum Märtyrertod bereit sind“, sagte Jassin vor wenigen Wochen, „sie sitzen auf der Bank und warten auf den Befehl.“

Seit den siebziger Jahren stand Jassin auf israelischen Fahndungslisten, 1983 wurde er erstmals festgenommen. Zwei Jahre später kam er wieder frei, wurde 1988 wieder festgesetzt und 1997 gegen zwei israelische Mossad-Agenten ausgetauscht.

Jassin trieb nicht nur die Kampfkraft der Hamas voran. Er gründete auch ein gut ausgebautes Netz an Wohlfahrtsorganisationen – von der Kinderkrippe über Suppenküchen bis hin zur medizinischen Pflege. Dass er auf der Liquidationsliste der Israelis stand, war dem Hamas-Führer wohl bekannt. Im September entging er nur knapp einem gezielten Tötungsversuch aus der Luft. Gestern trafen ihn und seine Begleiter drei israelische Raketen.

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