Jean-Claude Juncker
Der Ausputzer

Es drohte eine Vakanz auf einem der wichtigsten Posten der Eurogruppe. Doch das kann die Währungsunion sich nicht leisten. Also macht er alte Chef vorerst weiter - und wird dann von einer Art Doppelspitze abgelöst.
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BrüsselEr ahnt schon lange, dass es mit seiner Nachfolge Schwierigkeiten geben könnte. Dass er sein Amt als Euro-Gruppen-Vorsitzender gerne abgeben würde, das hat Jean-Claude Juncker schon mehrfach durchblicken lassen. Bloß - an wen? Diese Frage hat Luxemburgs Premierminister seinen Amtskollegen in der Euro-Zone mehr als einmal gestellt.

Eine Antwort darauf gibt es immer noch nicht - und den Verantwortlichen der Euro-Zone läuft die Zeit davon. Denn Junckers dritte Amtszeit an der Spitze der Gruppe der Euro-Finanzminister endet in einer Woche, am 17. Juli. Eine Vakanz auf diesem wichtigen Posten kann sich die Währungsunion nicht leisten. Schließlich treibt die Schuldenkrise gerade einem neuen Höhepunkt entgegen - mit einer Rettungsaktion für die spanischen Banken, extrem schwierigen Verhandlungen mit Griechenland und Rekordzinsen für die Staatsanleihen Italiens.

Dass die Regierungen sogar in dieser dramatischen Euro-Existenzkrise immer noch über den Posten streiten, dürfte vielleicht sogar Juncker überraschen. Dabei ist der 57-Jährige der Dienstälteste unter den 27 EU-Regierungschefs. Wer wie er seit 17 Jahren an EU-Gipfeln teilnimmt, macht sich über die europapolitische Entscheidungsfindung sicher keine großen Illusionen mehr.

Wie schwierig eine solche ist, das zeigt auch diese Spitzenpersonalie. Seit 2005 ist Juncker Chef der Euro-Gruppe. In seinem kleinen Luxemburger Amtssitz, der dem Rathaus einer Kleinstadt ähnelt, laufen die politischen Fäden der 17 Euro-Staaten seit Jahren zusammen.

Und das soll nun wohl auch noch eine Weile so bleiben - wahrscheinlich bis Jahresende. Bereits beim EU-Gipfel vor einer Woche hatte Frankreichs neuer Präsident François Hollande den Luxemburger gebeten, noch ein paar Monate länger auf seinem Posten auszuhalten. Mitten in der Krise leistet sich die Euro-Gruppe für das wichtigste Führungsgremium der Währungsunion einen Chef auf Abruf.

Der Ausputzer zu sein, dazu ist Juncker sogar bereit - allerdings unter einer Bedingung: Sein Landsmann Yves Mersch, Chef der Luxemburger Zentralbank, soll einen Platz im sechsköpfigen Direktorium der Europäischen Zentralbank bekommen. Darauf hat sich die Euro-Gruppe nun geeinigt.

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Der Ausputzer

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Spanien gegen Mersch

Kommentare zu " Jean-Claude Juncker: Der Ausputzer"

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  • Juncker, der Ausputzer??! Passender, und bewährter, ist doch die Bezeichnung: Juncker, der Lügner!

  • Einer der Top-Lügner dieser Truppe, der längst hinter Gitter gehört: http://newsbote.com/politik/die-neuen-lugen-des-jean-claude-juncker/

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