Jean-Claude Juncker „Europa ist mehr wert als eine Tasse Kaffee pro Tag“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordert angesichts des Brexits und neuer Aufgaben mehr Geld von den Mitgliedsstaaten. Das bisherige Haushaltsvolumen von einem Prozent der Wirtschaftskraft reiche nicht aus.
Update: 08.01.2018 - 19:27 Uhr Kommentieren
Der Präsident der EU-Kommission will mehr Geld für Brüssel. Quelle: AFP
Jean-Claude Juncker

Der Präsident der EU-Kommission will mehr Geld für Brüssel.

(Foto: AFP)

BrüsselKommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordert deutlich mehr Geld für die Europäische Union. Das bisherige Haushaltsvolumen von einem Prozent der Wirtschaftskraft reiche nicht aus, um europäische Politik angemessen zu finanzieren, sagte Juncker am Montag in Brüssel.

Bisher koste das EU-Budget die europäischen Steuerzahler rechnerisch so viel wie eine Tasse Kaffee täglich. „Ich bin wirklich der Meinung, Europa ist mehr wert als eine Tasse Kaffee pro Tag“, sagte Juncker. Er sagte aber noch nicht, wie stark das Budget wachsen soll. Für 2018 plant die EU mit Ausgaben von knapp 145 Milliarden Euro.

Juncker betonte, dass europäische Aufgaben genau geprüft werden müssten: „Ich bin überhaupt nicht dafür, dass Europa die Instanz wird, wo Freibier für alle finanziert wird.“ Man dürfe nicht blind loslegen, sondern müsse sehr genau unter die Lupe nehmen, was man brauche und was nicht.

Juncker äußerte sich auf einer Konferenz zur Vorbereitung des kommenden mehrjährigen EU-Finanzrahmens für die Jahre ab 2020. Dann fehlt wegen des Brexits Großbritannien als Nettozahler. Gleichzeitig hat sich die EU neue Aufgaben vorgenommen, unter anderem in der Flüchtlings- und Verteidigungspolitik.

Auch das deutsche Kommissionsmitglied Günther Oettinger sprach sich für eine leichte Erhöhung der EU-Mittel aus. Insgesamt seien etwas mehr als ein Prozent der europäischen Wirtschaftskraft nötig, sagte Oettinger am Montag in Brüssel. „Ich rede heute immer von Eins Komma Eins x.“

„Von 100 Euro, die ein europäischer Bürger in Stuttgart, in Wien, in Berlin, in Rom, in Paris, in Vilnius erwirtschaftet, durch Händearbeit, Kopfarbeit und Vermögensanlage“, nehme ihm der Staat über Steuern, Gebühren, Abgaben und Beiträge 50 Euro im Durchschnitt ab, sagte Oettinger weiter. Von diesen 50 Euro komme ein Euro „zu uns dusseligen Bürokraten in Brüssel“. Es blieben aber 49 Euro in Berlin, Rom, in Bayreuth, in Biberach und bei den Krankenkassen.

Mit Blick auf die CSU sagte Oettinger: „Wenn man von einem schlanken Europa spricht, wie es meine bayerischen Freunde derzeit tun - ein Euro von Fünfzig: da gibt es 49 andere Baustellen, bei denen man schlanker werden kann.“ Von Kürzungen ausgenommen bleiben sollten nach Ansicht des CDU-Politikers vor allem die europäischen Bildungs- und Forschungsprogramme Erasmus und Horizon.

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  • dpa
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