Jean-Claude Juncker
Schmutzige Kampagne?

Jean-Claude Juncker könnte der nächste EU-Kommissionspräsident werden. Doch bevor die Entscheidung fällt, sieht sich Luxemburgs Ex-Premier mit alten Vorwürfen über angebliche Alkoholprobleme konfrontiert.
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Juncker raucht, und zwar nicht wenig. Auch dass er gerne mal ein Gläschen trinkt, ist in Brüssel kein Geheimnis. Doch dass der Konsum Einfluss auf seinen Job hätte, ist eine ganz andere Frage. Das will ihm niemand unterstellen. Auch nicht die britische Zeitung „Financial Times“(FT).

Doch in ihrer gestrigen Ausgabe wärmt sie alte Aussagen von Jean-Claude Junckers Nachfolger als Eurogruppenchef, Jeroen Dijsselbloem, auf. Dieser hatte sich über Junckers starken Alkoholkonsum während der Treffen der Eurogruppe beschwert. Die FT zitiert nicht namentlich genannte „Offizielle“ mit der Aussage, dass Junckers angeblicher Alkoholkonsum zwar keine Auswirkungen auf seine Arbeit habe. Doch für den richtigen Mann halten sie ihn auch nicht. Denn der Alkoholkonsum verstärkte ihre Sorge um Junckers Management-Qualitäten.

Neu sind die Gerüchte um Juncker und den Alkohol nicht. Anfang des Jahres hatte der Jeroen Dijsselbloem einen „starken Raucher und Trinker“ genannt. Juncker hatte abgewiegelt: „Ich habe kein Alkoholproblem“, hatte er damals gesagt. Er überlasse es den Menschen, sich eine Meinung darüber zu bilden, warum solche Sprüche zirkulieren. Auch dieses Mal überlässt es Juncker den Menschen. Dieses Mal schweigt er.

Dass die FT gerade jetzt die Geschichte wieder aufwärmt, liegt wohl am EU-Gipfel. Und der bevorstehenden Wahl des EU-Chefs. Denn dass der britische Premier David Cameron sich (fast) jeden anderen, nur nicht Juncker als neuen EU-Kommissionspräsidenten wünschen, ist kein Geheimnis. Als „Katastrophe“ beschreibt der konservative britische „Daily Telegraph“ Junckers mögliche Ernennung. Und geht noch weiter: „Junckers Ernennung wird ein historisches Desaster“.

Noch vor ein paar Wochen hatte Juncker angeboten, mit Cameron und Co. zu reden und gemeinsam eine Lösung zu finden.. Auch wenn er niemals einen „Kniefall“ vor dem britischen Premier Cameron machen wollte. Doch dazu ist es nicht gekommen.

Auch wenn die Geschichte mit dem Alkoholkonsum nur eine Kampagne gegen Juncker sein sollte: Mit einer Sache spielt der Ex-Premier den Briten ihn in die Hände. Mit seinen Nebeneinkünfte. Denn die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet von Auftritten als Redner zum Beispiel im Auftrag der Agentur „London Speaker Bureau“. Juncker sagte zwar: „Meine Rednertätigkeiten – auch gegen Honorar - sind keine Auftritte, sondern immer programmatische und politische Reden.“ Und ergänzt, dass die Honorare für diese Reden immer versteuert würden. Doch wie hoch die Einkünfte sind, lässt er offen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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