Jeb Bush und die Politiker-Dynastie
Eine schrecklich mächtige Familie

Jeb Bush auf Werbetour, heute in Berlin: Der Sohn des 41. und Bruder des 43. US-Präsidenten will Obama im Weißen Haus beerben. Doch er muss erst noch beweisen, dass er mehr zu bieten hat als eine schillernde Ahnenreihe.
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San FranciscoMan kommt gerne nach Deutschland: Hillary Clinton präsentiere 2014 in Berlin vor vollem Haus in der Staatsoper ihr jüngstes Buch. Die Airforce One mit US-Präsident Barack Obama an Bord hat gestern erst nach dem G7-Gipfel vom Erdinger Moos abgehoben Richtung Washington. Und schon fliegt der nächste US-Politiker ein. Jeb Bush, früher Gouverneur, jetzt Privatmann und bald potentieller Kandidat für das Präsidentenamt, ist auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt.

Er wird, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf der Jahrestagung des Wirtschaftsrats der CDU sprechen. Dann folgen Gespräche mit Wirtschaftsvertreter und hohen Politikern der Bundesregierung, bevor er nach Estland und Polen weiterreist.

Der 62-Jährige will sein außenpolitisches Profil schärfen und wird ein schwieriges Deutschland vorfinden. Denn Berlin hat ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den außenpolitischen Fähigkeiten des Bush-Clans. Bohrende Fragen werden da nicht ausbleiben. Sein älterer Bruder, George W. Bush, ist in Deutschland schlicht und einfach unpopulär.

Die Kritik an dessen Irak-Feldzug 2003 war von Beginn an heftig und mit jedem Detail, das ans Tageslicht kommt, wird es schlimmer. Mittlerweile haben sich viele US-Politiker, darunter die demokratische Anwärterin Hillary Clinton, offen von diesem Krieg distanziert.

Aber nicht Jeb Bush. Tagelang eierte er in TV-Interviews um die Frage herum, ob er 2003 auch in den Irak einmarschiert wäre. Kein Wunder: Sein Bruder George W. sei einer seiner wichtigsten außenpolitischen Berater, gibt er freimütig zu. Ist Jeb Bush also nur der Aufguss der alten Bush-Präsidenten? Darauf wird er eine Antwort geben müssen, in den USA und in Europa.

Was die weltweite Spionage der NSA angeht, ist die Position des früheren Gouverneurs von Florida jedenfalls eindeutig: Das „einzig Gute“ an Obamas Politik in all den Jahren sei seine vollständige Unterstützung des von George W. Bush eingeführten Patriot Acts gewesen, lobte er kürzlich. Seit Edward Snowden und abgehörten Merkel-Handys ist jedem bewusst, was damit gemeint ist, und nicht jeder findet das gut.

Die Erinnerungen an den Vater Georg H.W. Bush sind in Deutschland deutlich freundlicher. Mittlerweile ist seine Rolle als Verfechter eines starken, wiedervereinten Deutschland nach dem Mauerfall anerkannt. Bush Senior förderte als Präsident Deutschland, als Frankreich und England noch schwere Bedenken hegten. Das ist nicht vergessen.

Und dazwischen Jeb Bush. Er ist nicht einmal der typische Republikaner. Er spricht fließend Spanisch, lebte auch mal in Mexiko, wo er seine Frau kennenlernte. Als Gouverneur unternahm er zahlreiche Auslandsreisen, und er ist eher der Kandidat der moderaten Fraktion.

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London-Reise wurde komplettes Desaster

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  • "George W. Bush, ist in Deutschland schlicht und einfach unpopulär." Da hat sich das Handelsblatt aber mal richtig mühe mit der Formulierung gegeben. Manch einer hätte verhasst geschrieben...

  • Hoffentlich haben die Amis aus der Geschichte gelernt.
    Bush bedeutet Krieg!
    Also nie wieder.

  • Ich glaube, diese Regierungsform gibt es auch in Malaysia, wiew sich die Barone an der Regierungsspitze ablösen.

    Aber es freut mich, dass das Volk glaubt, dass es mitbestimmen (durch die Wahl) darf.

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