Jeb Bush zu Schulmassaker
„Sachen passieren halt“

In einer emotionsgeladenen Rede hatte sich am Donnerstag nach einem Amoklauf mit zehn Toten Präsident Barack Obama noch an die Nation gewandt und gewarnt: „Wir stumpfen ab“. Sein republikanischer Gegner Jeb Bush sieht das anders: „So ist das eben“.

San FranciscoDie USA sei die einzige entwickelte Nation der Erde in der solche Massentötungen mit Feuerwaffen alle paar Monate zur Routine geworden seien, machte Obama in der Videoaufzeichnung seiner unverhohlenen Wut und Frustration Luft. „Gebete reichen einfach nicht aus“, so Obama.

Am Freitag reagierte Jeb Bush, republikanischer Präsidentschaftsanwärter, auf einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina und geißelte den „Aktionismus“ des Präsidenten. Gefragt zu den Geschehen an dem College in Oregon, die zehn Menschen tot und 20 schwer verletzt hinterließen, antwortete er: „Wir leben in schwierigen Zeiten und ich glaube nicht, dass mehr Gesetze die Antwort sind.“ Er sei als Gouverneur immer wieder mit Ereignissen konfrontiert worden. „Schauen Sie“, wandte er sich an den Fragenden, „Sachen passieren halt. Da gibt es immer irgendeine Krise. Und immer gibt es den Impuls irgendwas zu machen, und das ist nicht immer das Beste, was man machen kann.“ Er, Bush, bete für die Opfer und ihre Familien.

Schon zuvor hatte sein Mitbewerber Ben Carson, der in Umfragen weit vor Bush liegt, betont, schärfere Waffengesetze seien nicht das Thema. Man müsse „psychische Störungen“ früher erkennen. Obama hatte konstatiert, dass es Menschen mit psychischen Störungen überall auf der Welt gebe, aber eben nur in den USA ständig Massenmorde mit Feuerwaffen. Grundstrategie der Waffenlobby ist es, alle Amokläufer als psychische gestörte Menschen darzustellen. Wenn man sie besser und schneller erkennen könne, dann könnten solche Tragödien verhindert werden. Obama war in der Vergangenheit immer wieder mit Initiativen für schärfere Waffengesetze gescheitert.
Bush liegt in Wahlumfragen weit hinter Bewerbern wie Donald Trump, Ben Carson oder Carly Fiorina. Er muss in der konservativen Wählerbasis Stimmen gut machen. Vor ihm hatte Trump in ähnlicher Weise reagiert, was Bush zu seinen Aussagen ermutigt haben könnte. Auf MSNBC erklärte Trump am Freitagmorgen: „Solche Sachen wird man immer wieder sehen.“ Er fügte noch an, es sei „politisch nicht korrekt“, das zu sagen, aber es sei nun mal so, dass es „Schwierigkeiten gebe und in den nächsten Millionen Jahren geben werde.“

Die Motive des 26-Jährigen, der in Roseburg im Bundesstaat Oregon im Umpqua Community College neun Menschen erschoss bevor er ebenfalls getötet wurde, war am Freitag weiter unklar. Nach Aussagen von Special Agent Celinez Nunez auf einer Pressekonferenz vor Ort wurden bei dem Täter sieben Schusswaffen, ein Körperpanzer und fünf zusätzliche Magazine gefunden. Weitere sieben Waffen hätte man in seinem Appartement gefunden. Alle Waffen seien legal erworben worden. Er soll in dem College als Student eingeschrieben gewesen sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
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