Jeden Monat 20 000 neue Namen
Bürgerrechtler: USA setzen Nonnen auf Terrorliste

Kongressabgeordnete, Nonnen, Säuglinge: Die Terrorliste der USA wird immer umfangreicher. Mittlerweile soll sie etwa eine Million Namen umfassen. Bürgerrechtler kritisieren die Liste als "unfair, außer Kontrolle geraten und miserabel verwaltet". Alles halb so wild, kontert die zuständige Behörde.

HB WASHINGTON. Die USA haben nach Angaben einer Bürgerrechtsorganisation zurzeit etwa eine Million Menschen auf ihre Liste der Terrorverdächtigen gesetzt. Monatlich kämen 20 000 neue Namen hinzu, berichtete die American Civil Liberties Union (ACLU) unter Berufung auf Angaben des US- Justizministeriums.

"Eine Million Namen auf eine Beobachtungsliste zu setzen garantiert, dass die Liste mehr Schaden anrichtet als Gutes tut", kritisierte ACLU-Abteilungsleiter Barry Steinhardt. Unschuldige Menschen würden beim Reisen behindert, Sicherheitsressourcen durch Bürokratie verschwendet.

So gilt laut ACLU der sozialistische Präsident Boliviens, Evo Morales, als Terrorverdächtiger. Dem zum Islam konvertierten Sänger Yusuf Islam (Cat Stevens) sei die Einreise in die USA verweigert worden. Sogar bei Säuglingen gebe es aufgrund gleichlautender Namen Behinderungen bei Kontrollen. Auch Tote wie einige der Attentäter des 11. September 2001 stünden weiter auf der Liste.

Diese sei das perfekte Symbol für die Mängel der amerikanischen Sicherheitspolitik, sagte Steinhardt. "Sie ist unfair, außer Kontrolle, eine Vergeudung von Ressourcen, behandelt die Rechte von Unschuldigen nachgeordnet und ist eine sehr reale Behinderung im Leben von Millionen Reisenden in diesem Land." Betroffen seien auch zahlreiche unbescholtene Bürger, betonte Caroline Fredrickson, Leiterin des Washingtoner ACLU-Büros. Die Liste umfasse auch Kongressabgeordnete, Nonnen und Kriegshelden. So landete laut ACLU auch der frühere oberste Strafverfolger des Washingtoner Justizministeriums, Jim Robinson, irrtümlich auf der Liste.

Die US-Behörde für Transportsicherheit (TSA) wies die Vorwürfe auf ihrer Internetseite zurück. Nach ihren Angaben sind weniger als 450 000 Namen auf der Liste aufgeführt. Fast alle seien Ausländer. Die von der ACLU genannte Zahl enthalte vermutlich auch Decknamen.

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