Jemen
Chrobog-Entführer warnen vor gewaltsamer Befreiung

Die ersten Verhandlungen zur Freilassung des im Jemen mit seiner Familie entführten Ex-Staatssekretärs Jürgen Chrobog sind offenbar gescheitert. Jemenitische Medien berichteten, die Kidnapper seien mit den bisherigen Angeboten der Regierung unzufrieden – und schickten eine Warnung an die Verhandlungsführer.

HB BERLIN. Die Zeitung „Jemen Observer“ berichtete in ihrer Online-Ausgabe, die erste Runde der Freilassungsverhandlungen sei am Donnerstag in den frühen Morgenstunden gescheitert. Der Vertreter der Entführer, der sich dem Blatt als Abu Baker Abu al Khair vorgestellt habe, habe erklärt, das Verhandlungsteam der Regierung unter Leitung von Generalmajor Abu Baker Said Ali als Sondergesandter des Innenministeriums sei nicht in der Lage gewesen, den Entführern die Erfüllung ihrer Forderungen hinreichend sicher zuzusagen.

Es gehe um die Freilassung von Gefangenen aus der Familie der Entführer, die im Provinzgefängnis von Abjan festgehalten würden, schreibt die Zeitung. Weiter erklärten die Kidnapper der Nachrichtenagentur dpa telefonisch, den fünf Verschleppten werde nichts geschehen - außer wenn die Sicherheitskräfte versuchen sollten, diese gewaltsam zu befreien.

Das Auswärtige Amt nahm Meldungen mit Zurückhaltung zur Kenntnis. Sprecher Martin Jäger sagte auf Nachfrage: „Wir sind zuversichtlich, dass der Entführungsfall zu einem guten Ende gebracht werden kann. Es ist aber wenig hilfreich, sich jetzt vorschnell auf Zeitpunkte für einen Abschluss der Verhandlungen festzulegen. Die intensive Berichterstattung vor Ort im Jemen erleichtert die Verhandlungen nicht. Hier scheint aus unserer Sicht mehr Zurückhaltung angeraten.“ Zuvor hatten jemenitische Medien gemeldet, der Entführungsfall könne innerhalb von Stunden gelöst werden.

Der Spitzendiplomat und frühere Krisenmanager des Auswärtigen Amts Chrobog, seine Frau Magda und die drei erwachsenen Söhne waren am Mittwoch auf einer den Sicherheitsregeln entsprechend abgesicherten Privatreise in der östlichen Provinz Schabwa in die Gewalt Bewaffneter geraten. Der Chef des Reiseveranstalters Abu Talib Group in Sanaa teilte mit, er selbst habe über das Handy seines ebenfalls entführten Reiseleiters mit Chrobog gesprochen und sich vergewissert, dass es den Deutschen gut gehen. Unter den Entführten sind auch die beiden Fahrer des Konvois.

Blutige Stammesfehde

Hintergrund des Kidnappings ist offenbar eine blutige Stammesfehde. Die Entführer des Stammes bin Dahha verlangen nach jemenitischen Angaben die Freilassung von fünf inhaftierten Familienmitgliedern, denen wegen Tötung von zwei Mitgliedern des rivalisierenden Clan al Maraqscha derzeit der Prozess gemacht werde. Die Dahha-Familie verlange von der Zentralregierung unverzügliche Freilassung des Quintetts. Um den Druck auf Sanaa zu erhöhen, seien die Ausländer gefangen genommen worden. Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass die Entführer gezielt zugegriffen haben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier steht nach Angaben der Regierung in direktem Kontakt mit seinem jemenitischen Kollegen Abu Bakr Abdallah al-Kurbi. Die beiden Minister hätten heute Morgen telefonisch über die Geiselkrise beraten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Chrobog selbst hatte das Gremium in seiner Zeit als Staatssekretär im Auswärtigen Amt im Jahr 2003 geleitet.

Die ARD hatte noch am Morgen gemeldet, die Verhandlungen liefen in Richtung einer schnellen Freilassung. Ein Korrespondent sagte, er habe selbst mit der Familie Chrobog gesprochen und es gehe den Entführten gut. Sie hätten auch bestätigt, dass über ihre Freilassung verhandelt werde.

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