Jemen
Chrobog-Entführung wird zum Nervenkrieg

Im Entführungsfall Chrobog ist eine schnelle Lösung weiterhin ungewiss. Nach jemenitischen Medienberichten gibt es weiter keine Einigung zwischen Regierung und Kidnappern. Doch Außenminister Steinmeier bleibt dabei: Heute oder morgen sollen Ex-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie freikommen.

HB BERLIN. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, der Krisenstab bemühe sich unvermindert intensiv darum, den ehemaligen Außen-Staatssekretär Jürgen Chrobog (65) und dessen Familie „gesund und baldmöglichst wieder in Freiheit zu bringen“. Die Chrobogs sind seit Mittwochmittag im Jemen in der Gewalt von Entführern. Diese wollen Mitglieder ihres Stammes aus dem Gefängnis freipressen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Donnerstagnachmittag in Berlin gesagt, er rechne bis Samstag mit einer Freilassung der fünf Verschleppten. „Es braucht wie immer Geduld, Zeit und Nerven. Aber ich bin mir sicher, dass wir dann noch vor Jahresende zu einem Abschluss kommen werden.“

Auch nach Angaben des Gouverneurs der jemenitischen Provinz Schabwa, Abdallah al-Kadi, bewegen sich die Verhandlungen „in eine positive Richtung“. Die Geiseln - außer Chrobog dessen Frau und drei Söhne - würden wie Gäste behandelt, allerdings auch als Druckmittel gegen die Regierung in Sanaa benutzt, sagte er.

Ein Sprecher der Provinzverwaltung sagte am Donnerstag, die Unterhändler hätten sich mit den Geiselnehmern in einigen Punkten einigen können, in anderen noch nicht. Er sei zuversichtlich, dass Chrobog, seine Frau und die drei Söhne bis Freitagmorgen freigelassen würden. Die Entführer meldeten dagegen über jemenitische Medien, die erste Runde der Freilassungsverhandlungen sei erfolglos geblieben.

"Deutsche sollen Anteil nehmen"

Bei den Geiselnehmern handelt es sich nach Angaben jemenitischer Behörden um Mitglieder des Stammes Al-Abdallah aus der Provinz Schabwa. Es ist der vierte Fall in diesem Jahr, bei dem Stammesangehörige in dem armen Land Touristen entführen, um von der jemenitischen Regierung Gegenleistungen zu erpressen.

Nach unbestätigten Medienberichten haben die Geiselnehmer mehrere Möglichkeiten für eine Lösung angeboten: Entweder sollen fünf inhaftierte Stammesmitglieder freigelassen oder der Prozess gegen sie an einen anderen Gerichtsort verlegt oder fünf Angehörige eines rivalisierenden Stammes ebenfalls vor Gericht gestellt werden.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief die Deutschen zu intensiver Anteilnahme am Schicksal des Exdiplomaten auf. „Jürgen Chrobog war für zahlreiche Deutsche, die in fernen Ländern als Geiseln genommen wurden, ein kluger Lebensretter“, sagte Niebel der „Bild“-Zeitung. „Wir Deutsche können ihm jetzt unsere Dankbarkeit erweisen, indem wir in diesen schweren Stunden seiner Geiselhaft an ihn und seine Familie denken und alles unternehmen, um ihn freizubekommen.“

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