Jemen-Konflikt
Gefechte dauern an trotz Waffenruhe

Die humanitäre Waffenruhe für den Jemen beginnt, Hilfsorganisationen stehen in den Startlöchern. Fünf Tage lang sollen die Waffen von Huthi-Rebellen und Militär schweigen. Doch schon wird über neue Gefechte berichtet.
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Doha/SanaaDie humanitäre Feuerpause im Jemen wird offensichtlich gebrochen. Die arabischen Nachrichtensender Al-Arabija und Al-Dschasira berichteten am frühen Mittwochmorgen von Gefechten an verschiedenen Orten nach Beginn der Waffenruhe.

Huthi-Rebellen, deren Anhänger sowie loyal zu Expräsident Ali Abdullah Salih stehende Truppen hätten versucht, die Stadt Dhale zu stürmen, berichteten Sicherheitsbeamte und Augenzeugen übereinstimmend. Zudem hätten die Aufständischen und ihre Verbündeten ihre Stellungen verstärkt, vor allem in der Provinz Lahdsch. Luftangriffe der saudiarabisch geführten Koalition gegen die Huthi-Rebellen wurden nicht gemeldet.

Die Feuerpause war am späten Dienstagabend (22.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten und sollte fünf Tage dauern. Die vorübergehende Einstellung der Kampfhandlungen war von Saudi-Arabien Ende vergangener Woche angekündigt worden. Die schiitischen Huthi-Rebellen hatten sich zur Einhaltung der Waffenruhe bereiterklärt. Dadurch soll die Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Hilfsgütern ermöglicht werden.

Am Dienstag flog die saudische Luftwaffe praktisch bis zur letzten Minute vor der Waffenruhe schwere Angriffe auf Ziele in Sanaa, Tais und Ibb. Beim Bombardement eines Waffenlagers in der Hauptstadt Sanaa wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 19 Menschen getötet und 209 weitere verletzt. Die Huthi-kontrollierte Nachrichtenagentur Saba hatte von 90 Todesopfern gesprochen. In der Stadt Tais hätten schwere Kämpfe zwischen Rebellen und Truppen getobt, die loyal zum geflüchteten Hadi stehen.

Die Huthi-Rebellen und Salih nahestehende Truppen überrannten Ende 2014 die Hauptstadt Sanaa, große Teile des Nordjemen und starteten einen Vormarsch gen Süden. In dem südarabischen Land kämpfen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Riad geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi.

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis, um deren Vormarsch zu stoppen und Hadi zur Rückkehr zur Macht zu verhelfen. Nach UN-Angaben kamen seitdem 1500 Menschen ums Leben, unter ihnen mindestens 646 Zivilisten. Die Feuerpause soll vor allem dazu dienen, um Hilfslieferungen für die unter Krieg und Bombardierungen leidende Bevölkerung auf den Weg zu bringen.

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